Katzenhaarallergie und Hundehaarallergie


Tierhaarallergien treten häufiger denn je auf. Manche Menschen sollten deshalb lieber auf pelzige Mitbewohner verzichten – einige können aber mit den richtigen Tipps ohne starke Beschwerden ein Haustier halten.

Mehr als 1,6 Millionen Katzen und eine halbe Million Hunde leben in der Schweiz, in jedem dritten Haushalt findet sich mindestens ein Haustier. Doch für viele Menschen bedeuten Tiere und ihre Haare vor allem: Niesen, Husten, rote Augen, Juckreiz. Tierhaarallergien sind weit verbreitet, besonders gegen Katzen und Hunde. Auch deswegen liegen „Allergiehunde“ im Trend, die weniger Haare verlieren und deswegen weniger Allergien auslösen können. Wissenschaftler sind sich aber noch nicht sicher, ob diese Hunderassen wirklich einen Vorteil für Allergiker bringen1.

Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Katzen- und Hundeallergien entstehen, welche Symptome sie auslösen und wie Sie trotz einer Tierhaarallergie mit Hund und Katze zusammenleben können..

Was ist eine Tierhaarallergie?

Tierhaarallergie - Allergie gegen Hunde und Katzen

Tierhaarallergien funktionieren wie andere Allergien auch: Das Immunsystem reagiert auf eigentliche harmlose Stoffe. Genau genommen sind es nicht die Haare selbst, die diese Reaktionen auslösen – sondern bestimmte Proteine, die Allergene, die in Hautschuppen, Speichel, Urin oder Kot von Tieren stecken.

Eine solche Allergie kann gegenüber Hunden, Katzen, Nagern, Pferden und Vögeln auftreten2.

Wussten Sie schon, dass viele Menschen auf mehrere Tierarten allergisch reagieren? Dieses Phänomen nennt man Kreuzallergie: So führt eine Hundehaarallergie manchmal auch dazu, dass Goldhamster Reaktionen auslösen3,4.

Was passiert bei einer Tierhaarallergie?

Stossen Allergene auf ihren Körper, alarmieren Abwehrzellen das Immunsystem. Als Gegenmassnahme setzt es IgE-Antikörper ins Blut frei. Der Botenstoff Histamin wird ausgeschüttet und setzt Entzündungsvorgänge in Gang. Als Folge davon treten unterschiedliche Symptome auf5.

Katzenallergie

Bei Katzen befinden sich die Allergene im Speichel, in der Tränenflüssigkeit und in der Analdrüse. Katzen putzen ihr gesamtes Fell mit der Zunge und verteilen so die allergieauslösenden Substanzen über den ganzen Körper. Dazu kommt, dass die Katzenallergene besonders hartnäckig sind. Sie können sehr lange in der Luft schweben, haften stärker an Kleidung an als Hundehaare. Sie können monatelang in einem Raum verbleiben2,4.

Wussten Sie schon, dass es doppelt so wahrscheinlich ist, eine Katzenallergie zu entwickeln wie eine Hundeallergie?

Hundeallergie

Die Hundeallergene befinden sich im Speichel, Urin und auf der Haut. Die Allergene verbleiben nicht so lange in der Luft wie die von Katzen. Sie können sich aber im Staub auf dem Boden und auf Polstermöbeln absetzen.

Im Gegensatz zu einer Katzenallergie kann eine Tierhaarallergie gegen Hunde von der Rasse abhängig sein. Sind sie gegen Katzen allergisch, dann reagieren Sie vermutlich auf jede Katzenrasse. Bei einer Hundehaarallergie allerdings variiert es von Rasse zu Rasse – und sogar von Tier zu Tier. Einige Hunderassen gelten als Allergiehunde, wie Pudel, Schnauzer und Goldendoodles. Sie verlieren kaum Haare und sollen deswegen ihre Allergene deswegen weniger verbreiten. Die Allergene tragen sie aber auch in sich – in einer Studie fanden Forscher in Haushalten mit „Allergikerhunden“ ähnlich viele Allergene wie bei anderen Hunden6.

Gut zu wissen: Interessanterweise reagieren manche Hundebesitzer allergisch auf die Hunde von anderen, während sie bei ihrem eigenen Vierbeiner keinerlei Reaktion zeigen2,7.

Allergiker-Tiere – gibt es Hunde und Katzen, die keine Allergien auslösen?

Die Züchtung sogenannter hypoallergener Tiere soll es Hunde- und Katzenallergikern ermöglichen, doch einen Vierbeiner in den eigenen vier Wänden halten zu können. Allergiker-Tiere werden so gezüchtet, dass sie keine Haare verlieren. Allerdings ist nicht klar, ob das auch das Auftreten allergischer Reaktionen reduzieren kann. Die Allergene können nur in einem sehr geringen Mass herausgezüchtet werden und kommen dennoch auf der Haut des Tieres vor.

Auch haarlose Katzen wie die Nacktkatze lösen Allergien aus, da sich die Allergene auf ihrer Haut, im Speichel, Urin und Kot befinden6,8,9.

Hunderassen wie der Labradoodle gelten als "Allergikerhunde"

Einige Hunderassen, wie der hier gezeigte Labradoodle, gelten als allergikerfreundlich.

Was sind die Ursachen einer Katzen- und Hundeallergie?

Welche genauen Ursachen dazu führen, dass Tierhaarallergie entstehen, konnten Wissenschaftler bis dato nicht klären. Die Forschung geht von verschiedenen möglichen Gründen aus4,10.

Genetische Veranlagung
Neugeborene weisen ein erhöhtes Allergierisiko auf, wenn ein Elternteil schon an einer Allergie leidet: Das Risiko beim Kind steigt um bis zu 40 Prozent. Eltern vererben eine Allergie aber nicht direkt an ihre Kinder, sondern nur eine Veranlagung zur Allergie: Aufgrund der genetischen Vorbelastung ist das Risiko beim Kind höher, eine Allergie zu entwickeln10,11.

Kontakt mit Tieren in der Kindheit
Einer Studie aus Estland zufolge weisen etwa Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, ein geringeres Allergierisiko auf. Eine weitere Studie konnte das für die Tierhaarallergie bestätigen: Kinder, die sehr früh mit Hunden in Kontakt kamen, hatten ein geringeres Risiko, eine Hundeallergie zu entwickeln12.

Tierhaarallergie in Deutschland, Österreich und Dänemark

Was sind die Symptome bei einer Hundeallergie und einer Katzenallergie?

Tierhaarallergien führen zu Beschwerden auf der Haut und vor allem in den Atemwegen. Auch die Augen bleiben nicht verschont. Gelangen Allergene in das Auge, rötet und entzündet sich die Bindehaut. In der Regel dauern die Beschwerden maximal bis zum Folgetag an4,8.

Hautbeschwerden

Atemwegsbeschwerden

Juckreiz

Schnupfen

Rötung

Asthma

Neurodermitis

Engegefühl in der Brust

Nesselsucht (rote Quaddeln)

Husten, ständiges Niesen


Im schlimmsten Fall kann bei einer allergischen Reaktion ein anaphylaktischer Schock die Folge sein. Durch die Freisetzung von Histamin erweitern sich dabei die Blutgefässe, wodurch der Blutdruck stark abfällt. Ein solcher allergischer Schock kann zu Ohnmacht und einem Atemstillstand führen13!

Therapie der Tierhaarallergie

Wenn bei Ihnen eine Tierhaarallergie festgestellt worden ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt über die Therapiemöglichkeiten sprechen. Eine Tierhaarallergie kann mit der richtigen Behandlung kein Hindernis im Alltag darstellen.

Wie behandle ich eine Tierhaarallergie?

Nach der Feststellung einer Allergie auf Hunde oder Katzen können Sie die Beschwerden mit Medikamenten reduzieren. Eine Hyposensibilisierung bei einem Allergologen kann Ihre Allergie eventuell stark lindern. Jedoch ist diese Therapie nicht immer erfolgreich.

Medikamente
Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente wie Nasensprays verschreiben, die Antihistaminika oder den Wirkstoff Kortison enthalten. Tabletten mit Antihistaminika sind auch in der Apotheke frei verkäuflich. Sie wirken den allergischen Beschwerden effektiv entgegen. Diese Mittel sind dazu da, kurzfristige Beschwerden zu lindern – sie sind nicht für Menschen geeignet, die Hunde oder Katze im eigenen Zuhause haben. Langfristig können diese Wirkstoffe zu körperlichen Beschwerden führen oder an Wirkung verlieren.

Sie können auch mit einer Salzwasserlösung Ihre Nase spülen, um sie von Sekret zu befreien und frei atmen zu können. Auch eine Akupunktur bei einem geschulten Therapeuten könnte die Beschwerden eines allergischen Schnupfens reduzieren8,14,15.

Achtung: Sollten Sie an einer Tierhaarallergie leiden, sollten Sie auch Kleidung, Teppiche, Kosmetikpinsel, die aus Tierhaaren hergestellt sind, meiden2!

Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie)

Die spezifische Immuntherapie soll Tierliebhabern helfen, Ihre Haustiere doch nicht abgeben zu müssen. Während dieser Behandlung müssen Sie das Allergen in sehr kleinen Mengen über einen langen Zeitraum einnehmen. Meist wird das Allergen alle paar Monate verabreicht, per Spritze oder als Tablette unter der Zunge. Die Hyposensibilisierung findet ausschliesslich unter ärztlicher Beobachtung statt. Das Ziel dieser Therapie ist es, dass sich der Körper an das Allergen gewöhnt und die Symptome verschwinden. Ob sich eine Immuntherapie als Erfolg erweist, lässt sich nicht klar vorhersagen.

Einer Studie zufolge empfiehlt sich eine Hyposensibilisierung hauptsächlich für Menschen, die keine Haustiere halten und nur ausserhalb ihres Zuhauses mit den Allergenen in Kontakt kommen, beispielsweise für Tierärzte4,16.

Tipps, um trotz Allergie ein Haustier zu halten

Trotz Tierhaarallergie ein Tier halten?

Sich vom Tier zu trennen, ist die sicherste Methode, um Allergene aus der unmittelbaren Umgebung zu entfernen. Jedoch ist sie auch die schwierigste. Wohnt das Haustier bei Ihnen zu Hause, müssen Sie einige Regeln für allergiefreundliches Zusammenleben beachten8:

  • Achten Sie darauf, dass das Tier nicht mit Möbeln in Kontakt kommt und sich nicht in Ihrem Schlafzimmer aufhält.
  • Vermeiden Sie zu engen Kontakt zum Tier.
  • Waschen Sie sich die Hände nach jedem Kontakt, um die Hautschuppen zu entfernen.
  • Sie sollten Ihre Bettwäsche regelmässig wechseln – es empfiehlt sich alle zwei Wochen.
  • Ihre Möbel und Böden sollten täglich einmal gesaugt und feucht gewischt werden. Für Teppiche eignet sich ein Besen mit Gummiborsten.
  • Lüften Sie regelmässig und intensiv. Ein Luftreiniger kann zusätzlich Abhilfe schaffen.
  • Bürsten Sie das Tier nicht im Haus.
  • Waschen Sie das Tier einmal die Woche.

Tierhaarallergie testen

Kommen Ihnen die genannten Symptome bekannt vor, sollten Sie prüfen, ob Sie an einer Tierhaarallergie leiden. Aber eine juckende Haut und eine triefende Nase bedeuten nicht gleich eine Tierhaarallergie.  Die Beschwerden ähneln denen anderer Allergien, wie einer Pollen-, Nahrungsmittel- oder Hausstauballergie. Ebenso sollte ein Schnupfen nicht gleich Panik vor den Vierbeinern auslösen. Im Fell der Tiere können sich auch Pollen verstecken, auf die Sie allergisch reagieren. Ein Besuch beim Hausarzt, Allergologen oder ein Tierhaarallergie-Test können Ihnen Abhilfe schaffen9!

Wie testet ein Arzt eine Tierhaar-Allergie?

Zunächst führen Ärzte ein Anamnesegespräch, in welchem sie mit Ihnen die Symptome und möglichen Auslöser klären. Mit einem Haut- oder Bluttest sichert er die Diagnose ab. Neben diesen beiden Methoden bietet sich ebenfalls der sogenannte Provokationstest an. Dieser gilt wie bei einer Lebensmittelallergie als aussagekräftigste Variante, um eine Allergie zu diagnostizieren8.

Der cerascreen® Tierhaarallergie Test

Mit Hilfe des cerascreen® Tierhaarallergie Test können Sie ohne einen Arztbesuch testen, ob Sie an einer Allergie gegen Hunde und Katzen leiden. Bei diesem Testverfahren wird die IgE-Konzentration in Ihrem Blut gemessen. Es wird geprüft, ob eine Allergie gegen die Hautschuppen von Hunden und/oder das Deckgewebe von Katzen vorliegt. Neben dem Ergebnis erhalten Sie einen umfangreichen Ergebnisbericht mit Ihrem Ergebnis und konkreten Tipps.

Mit dem cerascreen® Hundeallergie Test und dem cerascreen® Katzenallergie Test können Sie sich andernfalls nur auf eine Tierart testen lassen.

Auf einen Blick: Tierhaarallergie

Was ist eine Tierhaarallergie?

Bei einer Tierhaarallergie wie der Hunde- und Katzenallergie reagieren Sie nicht auf die Haare allergisch, sondern auf Allergene, die sich auf der Haut und im Fell des Tieres befinden.

Welche Symptome treten bei einer Tierhaarallergie auf?

Juckreiz, Nesselsucht, Schnupfen, Niesen und Husten sind typische Symptome einer Tierhaarallergie.

Wie behandele ich eine Tierhaarallergie?

Tabletten und Nasensprays, die Antihistaminika oder Kortison enthalten, helfen bei einem allergischen Schnupfen. Aber bei einer Langzeitanwendung verlieren sie an Wirkung. Die effektivste Methode bei einer Hunde- und Katzenallergie ist es, das Tier abzugeben. Mit der richtigen Raumhygiene kann für manche Menschen ein allergiefreundliches Miteinander möglich sein.

Quellenangaben

  1. Statista. Themenseite: Haustiere in der Schweiz. de.statista.com. https://de.statista.com/themen/3748/haustiere-in-der-schweiz/. Accessed July 25, 2019.
  2. Tierhaarallergie: DAAB. https://www.daab.de/allergien/tierhaarallergie/. Accessed July 7, 2018.
  3. Tierhaarallergie: Infos | AOK – Die Gesundheitskasse. https://rh.aok.de/inhalt/tierhaarallergie-9/. Accessed July 7, 2018.
  4. Tierhaarallergie. ECARF. https://www.ecarf.org/info-portal/allergien/tierhaarallergie/. Accessed July 7, 2018.
  5. Gerald Rimbach, Jennifer Nagursky, Helmut F. Erbersdobler. Lebensmittel-Warenkunde Für Einsteiger. Springer-Verlag
  6. Nicholas CE, Wegienka GR, Havstad SL, Zoratti EM, Ownby DR, Johnson CC. Dog allergen levels in homes with hypoallergenic compared with nonhypoallergenic dogs. Am J Rhinol Allergy. 2011;25(4):252-256. doi:10.2500/ajra.2011.25.3606
  7. Polovic N, Wadén K, Binnmyr J, et al. Dog saliva - an important source of dog allergens. Allergy. 2013;68(5):585-592. doi:10.1111/all.12130
  8. Pet Allergy. ACAAI Public Website. https://acaai.org/allergies/types/pet-allergy. Accessed July 7, 2018.
  9. Pet Allergy | AAAAI. The American Academy of Allergy, Asthma & Immunology. https://www.aaaai.org/conditions-and-treatments/allergies/pet-allergy. Accessed July 7, 2018.
  10. Reuter W. Uns geht’s gut - Umwelt- und Gesundheitsschutz im Kinderzimmer. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Verbraucherschutz/vz-nrw-Broschuere-Unsgehtsgut.pdf?__blob=publicationFile.
  11. Allergies in Children | Cleveland Clinic Children’s. Cleveland Clinic. https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/13080-allergies-in-children. Accessed July 7, 2018.
  12. Tun HM, Konya T, Takaro TK, et al. Exposure to household furry pets influences the gut microbiota of infants at 3–4 months following various birth scenarios. Microbiome. 2017;5:40. doi:10.1186/s40168-017-0254-x
  13. Pschyrembel Online | Anaphylaxie. https://www.pschyrembel.de/Anaphylaxie/K02B3/doc/. Accessed May 23, 2018.
  14. Pet allergy - Diagnosis and treatment - Mayo Clinic. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/pet-allergy/diagnosis-treatment/drc-20352198. Accessed July 7, 2018.
  15. Feng S, Han M, Fan Y, et al. Acupuncture for the treatment of allergic rhinitis: a systematic review and meta-analysis. Am J Rhinol Allergy. 2015;29(1):57-62. doi:10.2500/ajra.2015.29.4116
  16. Alvarez-Cuesta E, Bousquet J, Canonica GW, et al. Standards for practical allergen-specific immunotherapy. Allergy. 2006;61 Suppl 82:1-20. doi:10.1111/j.1398-9995.2006.01219_1.x

Katzenhaarallergie und Hundehaarallergie