Candida – Infektion mit Hefepilzen


Der Hefepilz Candida albicans lebt im Darm von bis zu 70 Prozent der Menschen. Er kann bei einem geschwächten Immunsystem Mundsoor und Scheidenpilz auslösen und zu lebensbedrohlichen Infektionen führen. Ärzte und Heilpraktiker behandeln Candida-Überbesiedlungen im Darm mit einer zuckerarmen Candida-Diät.

Bei den Begriffen Darmflora und Mikrobiom denken die meisten Menschen an die vielen Bakterien, die in unserem Darm wohnen. Doch Bakterien sind nicht unsere einzigen Mitbewohner. Auch mikroskopisch kleine Pilze können sich im Körper und vor allem im Darm breit machen. Am häufigsten kommen im Menschen Hefepilze der Gattung Candida vor, von denen wiederum Candida albicans der gängigste ist.

Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Candida-Pilze zu unangenehmen Infektionen im Mundraum (Mundsoor) und Genitalbereich (Scheidenpilz) führen, wie Hefepilze-Infektionen zur Bedrohung in Krankenhäusern werden und was es mit einer Anti-Candida-Diät auf sich hat.

Was ist Candida?

Candida ist eine Gattung von Hefepilzen, die fast ausschliesslich auf den Schleimhäuten und im Darm von Säugetieren vorkommt. Der Mensch ist einer der bevorzugten Lebensräume der Candida-Pilze.

Der häufigste Vertreter ist Candida albicans. Wie andere Candida-Arten kommt Candida albicans häufig im Darm, auf der Haut und an Schleimhäuten vor, bei bis zu 70 Prozent der Menschen [1]. Der Hefepilz gehört zu den üblichen Bewohnern des Darms. Er ist oft ein Teil der Darmflora und verursacht in der Regel keine Beschwerden.s

Candida albicans ist der häufigste Vertreter der Darmpilze – aber nicht der einzige. Weitere Arten, die beim Menschen vorkommen und Infektionen auslösen können, heissen zum Beispiel Candida tropicalis, Candida parapsilosis und Candida glabreta.

Candida-Infektionen und Überbesiedlung

Candida-Pilze können aber Infektionen auslösen, vor allem auf der Haut und an Schleimhäuten. So kann Candida albicans den Genitalbereich als Scheidenpilz besiedeln, was unter anderem mit Juckreiz und Rötungen einhergeht. Infektionen mit Candida im Mund können zu einem Mundsoor (orale Candidose) werden. Mundsoor äussert sich vor allem durch gerötete Mundschleimhaut und weissen Belag auf der Zunge und im Mund. 

Tipp: Lesen Sie hier mehr über Pilzinfektionen, Fusspilz und Scheidenpilz.

Bei Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem können Candida-Pilze auch zu einer lebensgefährlichen Infektion des ganzen Körpers führen. Bei einer solchen invasiven Candida-Infektion gelangen die Hefepilze ins Blut und in innere Organe. Das betrifft so gut wie immer schwer kranke Menschen, meist Patienten im Krankenhaus.

Eine alternativmedizinische Diagnose ist die Überbesiedlung von Candida-Pilzen im Darm. Eine zu hohe Anzahl von Candida albicans soll eine Reihe von Symptomen auslösen, wie Migräne, Abgeschlagenheit und Bauchschmerzen. Eine spezielle zuckerarme Diät soll die Hefepilze in diesem Fall aushungern und so in ihrer Zahl reduzieren.

Gut zu wissen: Nur wenige Pilze – wie Candida – können den Darm langfristig besiedeln. Viele andere Pilzarten haben Wissenschaftler bislang jeweils nur in einer einzigen Probe oder nur einer einzigen Studie gefunden [2].

Infektionen, die Candida im Körper auslösen kann

Mundsoor – Candida im Mund

Eine Infektion mit Hefepilzen im Mund nennt man orale Candidose oder Mundsoor. Sie wird meistens durch Candida albicans verursacht.

Der Mundsoor zeigt sich durch weisse oder gelbe Beläge auf der Zunge und im Mund. Wenn man den Belag abwischt, kann es zu Blutungen kommen, die Schleimhäute sind meist gerötet. Viele Menschen mit Mundsoor berichten davon, dass ihr Geschmackssinn gestört ist und dass der Pilzbefall sich wie Watte im Mund anfühle. Es kann auch zu Geschwüren kommen und dazu, dass die Infektion sich in die Speiseröhre ausbreitet [3].

Warum tritt Mundsoor oft bei Kranken und Babys auf?

Bis zu 60 Prozent der Menschen haben Candida albicans im Mund. Meist breiten die Hefepilze sich aber nicht aus und es kommt nicht zu Beschwerden. Mundsoor tritt in der Regel bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auf. Die Infektion ist eine typische Begleiterscheinung von Chemotherapien und Bestrahlungen bei Krebserkrankungen. Auch bei HIV und Diabetes mellitus ist das Risiko erhöht, ebenso nach einer Therapie mit Breitband-Antibiotika. Ausserdem ist Mundsoor bei Neugeborenen relativ häufig, da ihre Abwehrkräfte noch nicht voll ausgebildet sind [4].

Die Behandlung von Mundsoor erfolgt über Anti-Pilz-Medikamente – Sie können die Erkrankung zum Beispiel bei Ihrem Hausarzt behandeln lassen. Manchmal verabreichen Ärzte solche Mittel auch vorbeugend, zum Beispiel während einer Chemo- oder Strahlentherapie gegen Krebs [5].

Invasive Candida-Infektion

In sehr seltenen Fällen kommt es dazu, dass Candida-Pilze sich über die Blutbahn im ganzen Körper ausbreiten. Die Infektion erfolgt zum Beispiel über Verletzungen auf der Haut oder über den Magen-Darm-Trakt. Man spricht bei Candida-Pilzen im Blut von einer Candidämie. Die Hefepilze gelangen von dort aus in Organe wie Leber, Niere, Milz und Auge. Eine solche invasive Candida-Infektion kann lebensgefährlich sein [6, 7].

Meist tritt eine invasive Candida-Infektion bei Patienten im Krankenhaus auf, die ein stark geschwächtes Immunsystem haben. Das Risiko für die Infektion ist unter folgenden Bedingungen erhöht [6, 8]:

  • Nach einer Organtransplantation
  • Wenn ein zentralvenöser Katheter angelegt ist
  • Erkrankung mit HIV, Diabetes mellitus oder Krebs, vor allem Leukämie
  • Therapie mit Breitband-Antibiotika oder Glukokortikosteroiden

Behandelt wird die Infektion mit Anti-Pilz-Medikamenten (Antimykotika). Ärzte untersuchen in der Regel, welche Pilzarten es genau sind, die die Infektion auslösen, und wählen dementsprechend Präparate aus. Immungeschwächte Menschen bekommen solche Mittel häufig auch vorbeugend, um gefährliche Pilzinfektionen zu verhindern [1, 6].

Gefährlicher Hefepilz: Candida auris. Diese Art von Candida-Pilz wurde erstmals im Jahr 2009 in Japan entdeckt. Seitdem hat Candida auris sich schnell ausgebreitet und auch in den USA, Grossbritannien und Deutschland schwerkranke Menschen in Krankenhäusern infiziert. Experten zufolge könnte Candida auris schwerer zu behandeln sein als andere Pilzarten, weil er gegen viele Anti-Pilz-Mittel resistent ist [9]

Candida-Überbesiedlung und Candida-Diät

Seit den 1980er Jahren wird die Candida-Überbesiedlung im Darm (auch Candida-Syndrom oder Candida-Hypersensitivität genannt) von Ärzten und Heilpraktikern diagnostiziert und behandelt. Nach der Theorie kann Candida im Darm wuchern, zur Entstehung von Gasen und giftigen Stoffen führen und so eine ganze Reihe von Symptomen verursachen. Eine spezielle zuckerarme Anti-Pilz-Diät soll den Hefepilzen im Darm die Nahrung entziehen und so die Beschwerden reduzieren [10].

Symptome einer Candida-Überbesiedlung

Die typischen Symptome, die bei einer solchen Candida-Überbesiedlung beschrieben werden, sind [10, 11]:

  • Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verringerte sexuelle Lust
  • Scheidenpilz und Blasenentzündungen
  • Depressive Verstimmung, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten

Wissenschaftliche Bewertung:

Dass eine erhöhte Zahl von Candida im Darm zu Beschwerden führt, konnte bislang wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Einer Metaanalyse des Robert Koch Instituts zufolge bestehen aber Hinweise darauf, dass Candida im Darm mit Durchfällen sowie mit Atemwegs-Allergien wie der Hausstauballergie zusammenhängen könnte [12], [13].

Norwegische Forscher untersuchten ausserdem im Jahr 2001 Menschen mit ganz unterschiedlichen Symptomen, bei denen sie eine Pilz-bedingte Erkrankung vermuteten. Die Probanden, die das Anti-Pilz-Mittel Nystatin erhielten, gaben an, nach vier Wochen weniger Beschwerden zu haben als jene, die ein Placebo bekamen. Eine zucker- und hefefreie Diät verstärkte den Effekt in der Studie [14].

Wie lassen sich Candida-Pilze feststellen?

Wie andere Darmpilze und Schimmelpilze auch lässt sich die Candida-Besiedlung im Darm mit einem Stuhltest feststellen. Labore messen, wie viele kolonienbildende Einheiten von Candida albicans sich in einem Milliliter Stuhl befinden. Ein Wert von 100 kolonienbildenden Einheiten pro Milliliter gilt etwa als unbedenklich, bei einem Wert von einer Million liegt eine Überbesiedlung nahe.

    Studie: Lavendelöl half gegen Candida-Pilze

    Was soll ich bei Candida-Überbesiedlung essen?

    Bei der Anti-Pilz-Diät, die einige Ärzte und Heilpraktiker bei Candida empfehlen, sollen Sie zuckerhaltige Lebensmittel meiden, vor allem Süssigkeiten, Weissmehlprodukte, Obst und Alkohol. Erlaubt sind neben den meisten unverarbeiteten Fleisch- und Milchprodukten unter anderem Vollkornprodukte, Kartoffeln und Gemüse. Für die Wirkung der zuckerarmen Anti-Pilz-Diät gibt es noch keine klaren wissenschaftlichen Nachweise [12], [13].

    Tipp: Lesen Sie in unserem Gesundheitsportal mehr über Zuckerersatz.

    Ein neuer Kandidat für eine Anti-Pilz-Diät ist Kokosöl. Das Fett der Kokosnuss kann wohl eine pilzabtötende Wirkung haben. In einer Studie an Mäusen reduzierte Kokosöl die Besiedlung des Darms mit Candida albicans [15]. Den Studienautoren einer weiteren Untersuchung zufolge sprachen Probanden mit chronischer Candida-Überbesiedlung besser auf das Anti-Pilz-Mittel Nystatin an, wenn sie gleichzeitig regelmässig Kokosöl verzehrten [16].

    Bei Neugeborenen konnte zudem eine Probiotika-Therapie mit bestimmten Lactobazillen die Anzahl von Candida-Pilzen im Darm verringern [17]. Generell kann es sich lohnen, Ihre Darmgesundheit zu fördern und die Balance der Darmflora zu bewahren.

    Tipp: In unserem Gesundheitsportal finden Sie unsere Anleitung für eine gesunde Darmflora.

    Candida-Pilze – Auf einen Blick

    Was sind Candida-Pilze?

    Candida ist eine Gattung von Hefepilzen, die im menschlichen Körper leben. Der häufigste Vertreter ist Candida albicans. Die Pilze kommen bei rund 70 Prozent der Menschen im Darm vor. In einigen Fällen verursachen sie keine Beschwerden, in anderen lösen sie Infektionen wie Mundsoor und Scheidenpilz aus.

    Was ist Mundsoor?

    Breiten sich Candida-Pilze im Mund aus, kann es zu einem Mundsoor kommen. Er äussert sich durch weisse Beläge, gerötete Schleimhäute und Blutungen auf der Zunge und in der Mundhöhle. Mundsoor tritt häufig bei Babys oder Menschen mit geschwächten Abwehrkräften auf.

    Was passiert bei invasiven Candida-Infektionen?

    Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem können Candida-Pilze in die Blutbahn und in innere Organe kommen. Das passiert meist bei schwerkranken Menschen im Krankenhaus und kann lebensgefährlich sein. Ärzte behandeln eine solche invasive Candida-Infektion mit Anti-Pilz-Medikamenten.

    Was ist die Candida-Diät?

    Nach einer Theorie verursacht eine Überbesiedlung mit Candida im Darm zahlreiche Beschwerden, wie Durchfälle und Blähungen, Müdigkeit und depressive Verstimmungen. Eine zuckerarme Diät soll den Hefepilzen die Nahrung entziehen und so die Beschwerden reduzieren.

    Quellenangaben

    [1]        D. Ä. G. Ärzteblatt Redaktion Deutsches, „Pilze im Darm – von kommensalen Untermietern zu Infektionserregern“, Deutsches Ärzteblatt, 21-Dez-2009. [Online]. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/67172/Pilze-im-Darm-von-kommensalen-Untermietern-zu-Infektionserregern. [Zugegriffen: 15-Juli-2019].

    [2]        H. E. Hallen-Adams und M. J. Suhr, „Fungi in the healthy human gastrointestinal tract“, Virulence, Bd. 8, Nr. 3, S. 352–358, Okt. 2016.

    [3]        Krebsinformationsdienst, „Entzündungen, Infektionen bei Krebs behandeln“, Krebsinformationsdienst. [Online]. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/fieber/fieber-behandlung.php#inhalt13. [Zugegriffen: 19-Juli-2019].

    [4]        C. L. Pankhurst, „Candidiasis (oropharyngeal)“, BMJ Clin. Evid., Bd. 2013, Nov. 2013.

    [5]        H. V. Worthington, J. E. Clarkson, T. Khalid, S. Meyer, und M. McCabe, „Interventions for treating oral candidiasis for patients with cancer receiving treatment“, Cochrane Database Syst. Rev., Nr. 7, S. CD001972, Juli 2010.

    [6]        M. Ruhnke u. a., „Diagnosis and therapy of Candida infections: joint recommendations of the German Speaking Mycological Society and the Paul-Ehrlich-Society for Chemotherapy: Diagnosis and therapy of Candida infections“, Mycoses, Bd. 54, Nr. 4, S. 279–310, Juli 2011.

    [7]        M. A. Pfaller und D. J. Diekema, „Epidemiology of Invasive Candidiasis: a Persistent Public Health Problem“, Clin. Microbiol. Rev., Bd. 20, Nr. 1, S. 133–163, Jan. 2007.

    [8]        NRZMyk Nationales Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen, „Invasive Candidasis“. [Online]. Verfügbar unter: https://www.nrz-myk.de/invasive-candidiasis.html. [Zugegriffen: 16-Juli-2019].

    [9]        D. Ä. G. Ärzteblatt Redaktion Deutsches, „Mehr Patienten mit gefährlichem Hefepilz infiziert“, Deutsches Ärzteblatt, 24-Jan-2018. [Online]. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/88770/Mehr-Patienten-mit-gefaehrlichem-Hefepilz-infiziert. [Zugegriffen: 15-Juli-2019].

    [10]      C. O. Truss, „The Role of Candida Albicans in Human Illness“, CANDIDA ALBICANS, Bd. 10, Nr. 4, S. 11, 1981.

    [11]      N. Martins, I. C. F. R. Ferreira, L. Barros, S. Silva, und M. Henriques, „Candidiasis: Predisposing Factors, Prevention, Diagnosis and Alternative Treatment“, Mycopathologia, Bd. 177, Nr. 5–6, S. 223–240, Juni 2014.

    [12]      K. Umweltmedizin, „Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedelung“, Robert Koch-Institut, report, Juni 2004.

    [13]      M. Weig, E. Werner, M. Frosch, und H. Kasper, „Limited effect of refined carbohydrate dietary supplementation on colonization of the gastrointestinal tract of healthy subjects by Candida albicans“, Am. J. Clin. Nutr., Bd. 69, Nr. 6, S. 1170–1173, Juni 1999.

    [14]      H. Santelmann, E. Laerum, J. Roennevig, und H. E. Fagertun, „Effectiveness of nystatin in polysymptomatic patients. A randomized, double-blind trial with nystatin versus placebo in general practice“, Fam. Pract., Bd. 18, Nr. 3, S. 258–265, Juni 2001.

    [15]      K. T. W. Gunsalus, S. N. Tornberg-Belanger, N. R. Matthan, A. H. Lichtenstein, und C. A. Kumamoto, „Manipulation of Host Diet To Reduce Gastrointestinal Colonization by the Opportunistic Pathogen Candida albicans“, mSphere, Bd. 1, Nr. 1, Feb. 2016.

    [16]      S. Otašević, S. Momčilović, M. Petrović, O. Radulović, N. M. Stojanović, und V. Arsić-Arsenijević, „The dietary modification and treatment of intestinal Candida overgrowth – a pilot study“, J. Mycol. Médicale, Bd. 28, Nr. 4, S. 623–627, Dez. 2018.

    [17]      P. Manzoni u. a., „Oral supplementation with Lactobacillus casei subspecies rhamnosus prevents enteric colonization by Candida species in preterm neonates: a randomized study“, Clin. Infect. Dis. Off. Publ. Infect. Dis. Soc. Am., Bd. 42, Nr. 12, S. 1735–1742, Juni 2006.

    Candida – Infektion mit Hefepilzen