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Chlamydien: Eine selten erkannte sexuell übertragbare Krankheit


Die Chlamydien-Infektion ist weltweit die häufigste sexuell übertragbare Krankheit. Die meisten Erkrankten bemerken ihre Infektion jedoch gar nicht, wodurch schwere Folgeerkrankungen drohen, wie schmerzhafte Infekte und Unfruchtbarkeit. Erfahren Sie hier alles Wissenswerte über Chlamydien, wer häufig erkrankt und welche Folgen eine Infektion noch haben kann.

Mit den Chlamydien-Infektionen geht es seit Ende der 90er Jahre weltweit steil bergauf: Mit über 80 Millionen Neuinfektionen jährlich sind genitale Chlamydien der häufigste sexuell übertragene Krankheitserreger. Sie liegen im Rennen neben den HPV-Infektionen noch vor den klassischen Geschlechtskrankheiten Syphilis und Gonorrhoe [1], [2].

Chlamydien-Infektionen bleiben oft unerkannt, weil sich häufig keine Symptome zeigen. Wenn die Erkrankung voranschreitet, können trotzdem schwere Folgeerkrankungen und Komplikationen entstehen. Chlamydien sind unter anderem ein Auslöser ungewollter Kinderlosigkeit und die häufigste Ursache für entzündungsbedingte Unfruchtbarkeit [3].

Was sind Chlamydien?

Die Geschlechtskrankheit Chlamydien wird von den kleinen, unbeweglichen Bakterien Chlamydia trachomatis ausgelöst. Diese siedeln sich hauptsächlich in menschlicher Schleimhaut an, ausserhalb der Schleimhäute können sie kaum überleben.

Wie werden Chlamydien übertragen?

In Deutschland erkranken jährlich etwa 300.000 Menschen an Chlamydien [1]. Eine Chlamydien-Infektion verläuft in 70 Prozent der Fälle ohne Symptome, sodass viele Betroffene nicht wissen, dass sie sich mit Chlamydien angesteckt haben [4]. Das ist problematisch, da viele Erkrankte ihren Gesundheitszustand falsch einschätzen und weitere Personen anstecken können.

Die Übertragung von Chlamydien erfolgt über sexuellen Kontakt [5]. Dabei kann der Erreger sowohl beim Geschlechtsverkehr durch Scheidenflüssigkeit, Sperma oder Lusttropfen als auch beim Oral- und Analsex übertragen werden. Auch kontaminiertes Sexspielzeug kann eine Infektion hervorrufen [6].

Keine Angst vor öffentlichen Toiletten und Schwimmbädern: Chlamydien werden fast ausschliesslich über sexuellen Kontakt übertragen – eine Übertragung durch Küssen, die gemeinsame Nutzung von Handtüchern, Geschirr oder Toiletten oder im Schwimmbad ist dagegen unwahrscheinlich [6], [7].

Warum sind Chlamydien so gefährlich?

Eine unerkannte Chlamydien-Infektion kann langfristig schwere Folgeerkrankungen auslösen wie beispielsweise [2], [4]:

  • Sterilität oder Infertilität
  • Chronische Unterbauchschmerzen
  • Einnistung eines befruchteten Eis ausserhalb der Gebärmutter (ektopische Schwangerschaften)
  • Frühgeburten
  • Fisteln und entzündete Schwellungen betroffener Schleimhäute

Wussten Sie schon? Ärzt*innen sprechen bei einer Frau von Sterilität, wenn trotz regelmässigem Geschlechtsverkehr über mindestens ein Jahr keine Schwangerschaft eintritt. Bei Infertilität kann eine Frau zwar schwanger werden, das Kind jedoch nicht bis zur Lebensfähigkeit austragen [6]

Neugeborene von an Chlamydien erkrankten Frauen können unter anderem an Bindehauts-, Mittelohr- und Lungenentzündungen erkranken [4].

Aufgrund der schwerwiegenden Folgen einer unerkannten Chlamydienerkrankung gibt es in Deutschland Screenings, die von den Krankenkassen für die häufig betroffenen Altersgruppen angeboten werden. So können Frauen bis 25 einmal jährlich kostenlos auf Chlamydien untersucht werden, auch wenn sie keine Beschwerden haben [8]. Auch Schwangere werden bei der Erstuntersuchung kostenlos auf Chlamydien untersucht.

Wer hat ein besonderes Risiko, an Chlamydien zu erkranken?

Das Infektionsrisiko steigt vor allem, wenn Sie Sex mit wechselnden Sexualpartner*innen haben. Betroffen sind am häufigsten Menschen im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt [5].

Besonders häufig betroffene Risikogruppen sind [6]:

  • junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren
  • junge Männer zwischen 15 und 29 Jahren
  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)

STI Test von cerascreen

Symptome und Verlauf der Chlamydien-Infektion

Eine Chlamydien-Infektion verläuft bei Männern und Frauen unterschiedlich und kann auch zu unterschiedlichen Folgeerkrankungen führen. Nach der Infektion mit Chlamydien dauert es etwa eine bis drei Wochen, bis sich Symptome zeigen – falls überhaupt welche entstehen [6].

Was Viele nicht wissen: Chlamydien können durch Sex nicht nur auf die Geschlechtsteile übertragen werden. Infolge von Oral- oder Analsex kann ausserdem der Mund-Rachen- oder Analbereich mit Chlamydien-Bakterien infiziert werden und dort zu Entzündungen der Rachenschleimhaut beziehungsweise der Darmschleimhaut führen.

Symptome und Verlauf der Chlamydien-Infektion bei Frauen

Bei Frauen befallen die Chlamydien-Bakterien nach einer Übertragung zunächst die Schleimhaut des Gebärmutterhalses, die sogenannte Zervixschleimhaut. In dieser Phase können manche Frauen gelblich-klebrigen Ausfluss feststellen, 80 Prozent der infizierten Frauen haben jedoch keine Symptome, weshalb die Infektion häufig unbemerkt fortschreiten kann.  

Nach Befall der Schleimhaut breitet sich die Infektion auf die Harnröhre, die Bartholin-Drüsen, die die Vagina bei sexueller Erregung befeuchten, sowie die Gebärmutterschleimhaut aus. Das kann zu folgenden Beschwerden führen [1], [6]:

  • Juckreiz
  • Unterbauchschmerzen
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Zwischenblutungen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Bleibt die Infektion weiterhin unentdeckt, breitet sich der Erreger bei 10 bis 40 Prozent der Betroffenen auf die Eileiter und Eierstöcke aus. Dort können die Chlamydien zu verklebtem oder vernarbtem Gewebe und damit zu Blockaden der Eipassage führen. Das kann unter anderem Eileiterschwangerschaften und Sterilität zur Folge haben. Auch weitere Organe können von den Eileitern und Eierstöcken aus befallen werden und sich entzünden.

Ektope Schwangerschaften

Bis zu drei Prozent aller Schwangerschaften sind ektope Schwangerschaften. Eine Chlamydien-Infektion kann die Wahrscheinlichkeit einer ektopen Schwangerschaft erhöhen [9].

Dabei nistet sich ein befruchtetes Ei aufgrund der Veränderung des Eileiters nicht in der Gebärmutter ein, sondern häufig beispielsweise in den Eileitern [10]. Dort werden die befruchteten Eier nicht ausreichend versorgt und sind daher nicht überlebensfähig. Die das eingenistete Ei umschliessende Haut vergrössern sich dabei nach und nach und kann nach 6 bis 16 Wochen reissen. Das hat starke Blutungen zufolge, die sogar lebensgefährlich verlaufen können.

Symptome und Verlauf der Chlamydien-Infektion bei Männern

Bei Männern verläuft eine Chlamydien-Infektion anders. So bemerken Männer eine Chlamydien-Infektion häufiger als Frauen: Bei ihnen sind nur 50 Prozent der Fälle asymptomatisch. Wenn die Harnröhre befallen ist, bemerken Männer folgende Symptome beim Wasserlassen [1]:

  • Druckgefühl
  • Schmerzen
  • Brennen

Bleibt die Infektion unbehandelt, kann auch eitriger Ausfluss oder Juckreiz auftreten. Im weiteren Verlauf kann sich der Erreger auf die Prostata oder Nebenhoden ausbreiten, was zu schmerzhaften Entzündungen und Schwellungen führen kann [6].

Auch bei Männern kann eine unbehandelte Infektion zur Unfruchtbarkeit führen [11]. Eine fortgeschrittene Chlamydien-Infektion kann bei Männern ausserdem zu Gelenksentzündungen, Sehnenscheidenentzündungen und in seltenen Fällen auch zu Bindehautentzündungen führen.

Achtung – Chlamydien treten bei Männern häufig mit Gonorrhoe im Doppelpack auf: Laut Robert-Koch-Institut waren 15 Prozent der  Chlamydien-Fälle von Männern, die dem RKI gemeldet wurden, auch positiv für Gonorrhoe [5].

Diagnose und Behandlung der Chlamydien

Chlamydien können auf verschiedene Weisen festgestellt werden. Ärzt*innen veranlassen meistens eine Urinprobe oder nehmen einen Abstrich [4]. In einem Abstrich lassen sich Chlamydien-Infektionen erst 10 bis 14 Tage nach der Ansteckung nachweisen. Auf Abstrichen basierende Schnelltests haben sich darüber hinaus als nicht zuverlässig herausgestellt. Bluttests sind bei Chlamydien-Infektionen ebenfalls nicht die erste Wahl, da erst 6 bis 8 Wochen nach der Ansteckung Chlamydien-Antikörper im Blut nachgewiesen werden können und diese Antikörper auch noch für Monate bis Jahre im Blut verbleiben, nachdem die Infektion abgeklungen ist [6].

Schon gewusst? Für den Urintest sollte mindestens ein bis zwei Stunden zuvor nicht die Blase entleert werden – am besten lassen sich die Bakterien im Urin der ersten Blasenentleerung nach dem Aufstehen nachweisen [6].

Diagnostizierte Chlamydien – Was nun?

Chlamydien können mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Die Behandlung dauert eine bis drei Wochen [2]. Wenn durch die Chlamydien Vernarbungen und Schäden am Gewebe entstanden sind, kann das jedoch nicht rückgängig gemacht werden. Deswegen ist auch eine frühestmögliche Diagnose und Therapie so wichtig ist.

Ausserdem ist es wichtig, auch seine*n Sexualpartner*in über eine mögliche Infektion zu informieren. Auch Partner*innen sollten untersucht und gegebenenfalls behandelt werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Ärzt*innen reden bei dieser Art der Wiederansteckung von einem Ping-Pong-Effekt, weil Sie sich theoretisch immer wieder neu mit Chlamydien infizieren können [12].  

Nach Behandlung der Chlamydien wird in der Regel ein Abstrich oder Urintest durchgeführt, um den Behandlungserfolg zu überprüfen und eine erneute Infektion auszuschliessen [6].

So schützen Sie sich vor Chlamydien

Wenn Sie folgende Vorsichtsmassnahmen einhalten, können Sie Ihr Erkrankungsrisiko erheblich verringern – auch wenn eine Ansteckung mit Chlamydien beispielsweise trotz Kondom nicht zu hundert Prozent ausgeschlossen werden kann [4]:

  • Schützen Sie sich und Ihre*n Sexualpartner*in durch Kondome – auch bei Oral- und Analverkehr.
  • Reinigen Sie Sexspielzeug sorgfältig vor und nach dem Gebrauch.
  • Waschen Sie sich vor und nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten gründlich die Hände.
  • Lassen Sie sich bei häufig wechselnden Sexualpartner*innen oder Beschwerden im Genitalbereich von Ihrer*m Ärzt*in beraten und auf sexuell übertragbare Krankheiten testen.

Chlamydien - Auf einen Blick

Was sind Chlamydien?

Chlamydien sind Bakterien, die eine Geschlechtskrankheit auslösen.

Die Krankheit verläuft beim Mann und bei der Frau unterschiedlich und kann jeweils langfristig zu Entzündungen und Unfruchtbarkeit führen, wenn sie unbehandelt bleibt.

Welche Symptome hat man bei Chlamydien?

Ein Grossteil der Chlamydien-Infektionen bleibt symptomlos. Nur 20 Prozent der Frauen entwickeln Symptome wie Juckreiz, Brennen beim Wasserlassen, Zwischenblutungen und Schmerzen.

Männer haben häufiger Symptome: Etwa die Hälfte der betroffenen Männer bemerkt Juckreiz, Brennen oder Druckempfinden beim Wasserlassen sowie Schmerzen und Schwellungen im Genitalbereich.

Wie werden Chlamydien behandelt?

Chlamydien können mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Entstandene Schäden heilen jedoch nicht automatisch mit ab, weshalb eine frühzeitige Diagnose und Therapie der Infektion wichtig ist.

 

CH: In der Schweiz sind geschätzte drei bis zehn Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung an Chlamydien erkrankt [13].

AT: In Österreich sind geschätzte 100.000 Personen mit Chlamydien infiziert: Jeder 30. Erwachsene und jeder 16. Teenager soll betroffen sein [14].

 

Quellen

 

[1]        „Unbemerkte Gefahr“, DAZ.online, Feb. 27, 2014. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2014/daz-9-2014/unbemerkte-gefahr (zugegriffen Juni 14, 2021).

[2]        P. Briken und M. Berner, Praxisbuch Sexuelle Störungen: Sexuelle Gesundheit, Sexualmedizin, Psychotherapie sexueller Störungen. Georg Thieme Verlag, 2013.

[3]        T. Strowitzki, „Infertilität bei Frauen“, Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, Bd. 56, Nr. 12, S. 1628–1632, 2013.

[4]        G. Neumann, H. H. Feucht, W. Becker, und M. Späth, Gynäkologische Infektionen: Das Handbuch für die Frauenarztpraxis-Diagnostik-Therapie-Prävention. Springer-Verlag, 2011.

[5]        „RKI - RKI-Ratgeber - Chlamydiosen (Teil 1): Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis“. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html;jsessionid=DECE0D81EDF9B769144D6142DFEB7FAD.internet071 (zugegriffen Juni 08, 2021).

[6]        Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, „Broschüre: Chlamydien - Frühzeitig erkennen und behandeln“.

[7]        „Pschyrembel Online | Schwimmbadkonjunktivitis“. https://www.pschyrembel.de/Schwimmbadkonjunktivitis/K0KM4 (zugegriffen Juni 21, 2021).

[8]        „Chlamydien-Test für Frauen bis 25 Jahre - Gemeinsamer Bundesausschuss“. https://www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/ambulant/frueherkennung-krankheiten/erwachsene/chlamydien-test/ (zugegriffen Juni 15, 2021).

[9]        F. Kainer, Facharzt Geburtsmedizin. Fischer Gustav Verlag GmbH & Company KG, 2015.

[10]      „Wie Chlamydia ektopische Schwangerschaft fördert“, AerzteZeitung.de. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Wie-Chlamydia-ektopische-Schwangerschaft-foerdert-284823.html (zugegriffen Juni 14, 2021).

[11]      „Genitale Chlamydien-Infektionen: Symptome, Vorbeugung und Behandlung“, gesund.bund.de. https://gesund.bund.de/chlamydien (zugegriffen Juni 17, 2021).

[12]      „Chlamydien » Prävention & Chlamydien-Screening »“. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/chlamydien/praevention-chlamydien-screening/ (zugegriffen Juni 15, 2021).

[13]      Bundesamt für Gesundheit, „Chlamydiose“. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/chlamydiose.html (zugegriffen Juni 22, 2021).

[14]      „Geschlechtskrankheiten sind in Österreich auf dem Vormarsch“, trend.at, Mai 25, 2015. https://www.trend.at/service/gesundheit/geschlechtskrankheiten-oesterreich-vormarsch-5670003 (zugegriffen Juni 22, 2021).

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