Immunsystem – So arbeiten Ihre Abwehrkräfte


Unser Immunsystem arbeitet ununterbrochen daran, Fremdkörper und Umwelteinflüsse zu bekämpfen. Dafür hat es eine ganze Sammlung an Waffen in der Hinterhand, unter anderem Immunzellen, Antikörper und weisse Blutkörperchen. 

Wir leben in einer Welt, in der wir dauerhaft von Bakterien, Viren, Parasiten, Gift, UV-Strahlung und vielen anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind. In dieser Welt können wir nur dank unseres Immunsystems überleben: Ohne unsere Abwehrkräfte würden die Erreger eine ständige Bedrohung für unsere Gesundheit darstellen.

Unser Immunsystem ist ein Komplex aus unzähligen Zellen, Proteinen und Organen, das bereits ab unserer Geburt Eindringlinge aus dem Körper fernhält. Mit den Jahren lernt das Immunsystem, uns immer schneller und besser zu verteidigen.

Lesen Sie in diesem Artikel, woraus das Immunsystem besteht und wie die unterschiedlichen Immunzellen tagtäglich für Ihren Schutz vor Infektionen sorgen.

Sie finden in unserem Gesundheitsportal auch Tipps, mit denen Sie Ihr Immunsystem stärken.

Das Immunsystem

Zahlreiche Fremdkörper versuchen stets, die äusseren Verteidigungslinien des Körpers zu überwinden – die Haut und die Schleimhäute im Mund, in der Nase sowie in den Augen gehören zum Immunsystem. An sich spüren Sie nicht, wenn das Immunsystem Fremdkörper bekämpft.

Sobald seine Abwehrfunktion abnimmt, merken Sie jedoch, dass Fremdkörper das Immunsystem überlistet haben. Ihre innere Immunabwehr versucht dann, die jeweilige Ursache zu beseitigen – es kommt zu Symptomen wie Fieber, Ausschlag oder Schnupfen.

Was ist das Immunsystem?

Das Immunsystem ist das biologische Abwehrsystem des Körpers, das sich aus unterschiedlichen Organen, Proteinen und Zellen zusammensetzt. Es schützt Sie mithilfe unterschiedlicher Zellen vor Krankheitserregern, Zellveränderungen und Umwelteinflüssen. Seine fünf Hauptaufgaben sind [1]:

  • Pathogene (Krankheitserreger), Allergene und Zellveränderungen erkennen.
  • Fremden von körpereigenen Zellen unterscheiden.
  • Pathogene bekämpfen, sprich Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten, die die Gesundheit beeinträchtigen.
  • Stoffe, die Allergien auslösen, bekämpfen.
  • Den programmierten Zelltod einleiten, wenn sich Zellen krankheitsbedingt verändern, wie bei Krebs.

Wenn das Immunsystem nicht in der Lage wäre, fremde Zellen von körpereigenen Zellen zu unterscheiden, würde es verheerende Schäden anrichten. In dem Fall greift es körpereigenes Gewebe an. Die Folge können Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1 oder rheumatische Erkrankungen sein [2].

Welche Organe gehören zum Immunsystem?

Das Immunsystem ist ein Netzwerk, das den gesamten Köper umspannt. Es besteht aus mehreren Organen, die Proteine und Immunzellen bereitstellen, um den Körper gegen die Gefahren zu verteidigen.

Die lymphatischen Organe spielen in Sachen Immunschutz eine wichtige Rolle – sie sind Teil des Lymphsystems. Die Lymphflüssigkeit durchströmt dieses System und entsorgt dabei Stoffwechselabbauprodukte und überschüssige Flüssigkeit.

Die primären lymphatischen Organe, Thymus und Knochenmark, stellen Immunzellen her, die ebenfalls in diesen beiden Organen heranreifen. In den sekundären lymphatischen Organen wie Lymphknoten, Milz, Mandeln und im Darm patrouillieren die Immunzellen und bekämpfen Krankheitserreger. Zum Immunsystem gehören ausserdem [2][6]:

  • Haut
  • Augen
  • Nase
  • Magen

Gut zu wissen: Die Thymus-Drüse besteht aus zwei Lappen, die sich hinter dem Brustbein befinden. Sie dient in erster Linie zur Bildung von Immunzellen. Sobald Sie in die Pubertät kommen, bildet sich die Thymus-Drüse zurück [7].

Infografik: Organe, die zum Immunsystem gehören

Funktion von den Organen des Immunsystems

Organ

Funktion

Augen

Bekämpft Bakterien mithilfe des Enzyms Lysozyms in der Tränenflüssigkeit

Darmschleimhaut

Hindert Krankheitserreger daran, ins Blut zu gelangen

Dünn- und Dickdarm

Hindert Krankheitserreger daran, sich zu verbreiten und zu wachsen mithilfe von Darmbakterien

Magen

Bekämpft Bakterien und Viren durch Magensäure

Mandeln

Erkennt Krankheitserreger in der Nahrung oder Atemluft

Milz

Bildet Lymphozyten

 

Angeborenes und erworbenes Immunsystem

Direkt von Geburt an bietet das Immunsystem Schutz vor der Umwelt. Allerdings kann es uns anfangs nicht vor jeder möglichen Bedrohung beschützen. Es muss mit der Zeit lernen, wie es bestimmte Krankheitserreger bekämpfen kann.

Was ist das angeborene Immunsystem?

Das angeborene beziehungsweise unspezifische Immunsystem kämpft bereits ab der Geburt gegen Erreger – es besteht aus der Haut, den Schleimhäuten und den Verdauungsorganen. Diese Immunabwehr richtet sich aber nicht spezifisch gegen einen bestimmten Erreger. Stattdessen entsendet es Immunzellen, sobald irgendein Fremdkörper entdeckt wird. Daher gilt es als allgemeine Immunabwehr [2], [3].

Gut zu wissen: Muttermilch enthält neben wichtigen Nährstoffen Immunzellen und Bakterien, die das Immunsystem des Kindes mit aufbauen [3].

Damit sie wissen, gegen wen sie kämpfen sollen, müssen die Zellen des angeborenen Immunsystems körpereigene von fremden Zellen unterscheiden können. Dazu nutzen sie bestimmte Rezeptoren, die wiederum auf die sogenannten B- und T-Zellen des erworbenen Immunsystems angewiesen sind [8].

Was ist das erworbene Immunsystem?

Das erworbene beziehungsweise spezifische Immunsystem gilt als das immunologische Gedächtnis. Es arbeitet mit Abwehrzellen wie den B- und T-Zellen. Mit ihrer Hilfe merkt sich Ihr Immunsystem, wie die Oberfläche von Krankheitserregern beschaffen ist, die in Ihren Körper gelangt sind. Wenn dieser Erreger erneut in den Körper eindringt, erkennen die Abwehrkräfte ihn wieder. So kann das Immunsystem schneller handeln und mit entsprechenden Antikörpern dagegen vorgehen [1], [2].

Infografik: Immunologisches Gedächtnis

Die Zellen des Immunsystems

Dringen Fremdkörper in Ihren Körper ein, müssen sie sich auf ein umfangreiches Arsenal an Immunzellen gefasst machen, die beseitigen wollen. Immunzellen erkennen Fremdkörper anhand von bestimmten Proteinen an ihrer Oberfläche, den Antigenen. Daraufhin docken die Immunzellen an Rezeptoren an, um den Fremdkörper auszuschalten [2].

Welche Immunzellen gibt es?

Die Immunzellen gehören zu den weissen Blutkörperchen, den Leukozyten. Diese lassen sich in drei Hauptgruppen unterteilen [2]:

  • Lymphozyten
  • Granulozyten
  • Monozyten

Welche Aufgaben haben Lymphozyten?

Die Lymphozyten bilden das immunologische Gedächtnis – sie erkennen, bekämpfen und merken sich den jeweilige Krankheitserreger, um bei einem erneuten Kontakt schneller gegen ihn vorgehen zu können [2].

Lymphozyten

Aufgabe

B-Zellen

Bildung von Antikörpern und Gedächtniszellen

B-Gedächtniszellen

Bildung von Antikörpern

T-Zellen

Erkennen von Antigenen

Natürliche Killerzellen

Erkennen von krebsartigen oder von Viren befallenen Zellen und Einleitung des Zelltodes

Natürliche-Killer-T-Zellen

Kombination aus T-Zellen und natürlichen Killerzellen

 

Was sind Antikörper?

Antikörper, oder auch Immunglobuline, werden von den B-Zellen hergestellt, nachdem sie mit dem Antigen eines Krankheitserregers in Kontakt gekommen sind.

Antikörper bestehen aus zwei Enden. Das eine Ende dockt an das Antigen an, während das andere Informationen an Immunzellen weiterleitet. Sie arbeiten nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Die Liganden des Antikörpers sind der Schlüssel. Sie docken an das jeweilige Antigen an, das Schloss, sodass der Krankheitserreger ausgeschaltet wird [9].

Tipp: Wenn Sie unter Allergien leiden, dann spielen Antikörper dabei eine entscheidende Rolle. Lesen Sie mehr darüber in unserem Gesundheitsartikel über Lebensmittelallergien und Lebensmittelunverträglichkeiten.

Antikörper

Aufgabe

IgA

bekämpfen Erreger auf den Schleimhäuten

IgD

aktivieren B-Zellen

IgE

bekämpfen Parasiten und Allergene

IgG

leiten Phagozytose (Verdauung von Fremdkörpern durch Immunzellen) ein

IgM

aktivieren B-Zellen

 

Gut zu wissen: Wie gut sich das immunologische Gedächtnis Erreger merken kann, können Sie beispielsweise an Windpocken beobachten – Menschen erkranken nur ein einziges Mal im Leben an Windpocken, da das Immunsystem bei einem erneuten Erregerbefall rechtzeitig mit Antikörpern eingreifen kann.

Welche Aufgaben haben Granulozyten?

Die häufigste Art von weissen Blutkörperchen sind die Granulozyten. Man unterscheidet zwischen neutrophilen, eosinophilen und basophilen Granulozyten.

Neutrophile Granulozyten produzieren freie Radikale, die Bakterien direkt vor Ort bekämpfen, während die eosinophilen und die basophilen Granulozyten sich um Allergene kümmern. Die basophilen Granulozyten setzen den Botenstoff Histamin frei, der für die typischen Symptome bei einer Allergie verantwortlich ist – Hautausschlag, Juckreiz, erhöhte Herzfrequenz, Atemnot [2]

Was sind Monozyten und Makrophagen?

Monozyten sind sogenannte Bakterienfresser. Wenn Sie aus dem Blut ins Gewebe gelangen, werden sie zu Makrophagen.

Beide führen die sogenannte Phagozytose durch: Sie verdauen Krankheitserreger mit chemischen Verbindungen und schalten sie auf diese Weise aus [2].

Dendritische Zellen und Zytokine

Dendritische Zellen besitzen Fangarme, mit denen sie Krankheitserreger einfangen, umklammern und anschliessend verdauen. Bruchteile des Erregers leiten sie an die B-Zellen weiter, damit sich Gedächtniszellen bilden können.

Zytokine melden Entzündungen: Sobald ein Fremdkörper erkannt wird, aktivieren sie die Immunzellen, woraufhin diese zum Tatort stürmen [2], [9].

Was passiert bei einer Infektion?

Wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen, registrieren Immunzellen sie anhand der Antigene auf ihrer Oberfläche. Sie lassen daraufhin eine ganze Bandbreite an Immunreaktionen los.

Zunächst schreitet das angeborene Immunsystem ein: Weisse Blutkörperchen (Monozyten, Makrophagen und Granulozyten) fressen und verdauen die Erreger. Doch sie verwerten die Erreger nicht vollständig. Bruchstücke werden dem erworbenen Immunsystem geliefert: Daraufhin können B- und T-Zellen Gedächtniszellen bilden. Mit deren Hilfe gelingt es den Abwehrkräften dann häufig, die Erreger bei einem erneuten Aufeinandertreffen auszuschalten, bevor es zur Infektion kommt.

Deswegen stecken Sie sich auch, wenn eine Grippe oder Erkältung herum geht, meist nicht nochmal an, wenn Sie den Infekt bereits hatten: Ihr Immunsystem kennt das Virus und weiss, wie es sich am besten abwehren lässt [1], [9].

Glossar – Das Immunsystem

Das Immunsystem besteht aus unzähligen Zellen, die komplexe chemische Prozesse durchführen, damit Sie vor Infektionen geschützt werden.

Hier finden Sie eine Auflistung der wichtigsten Begriffe mit einer kurzen Erklärung.

Tabelle: Glossar zum Immunsystem

 Begriff

 Erklärung

Angeborenes Immunsystem

unspezifisches Immunsystem, das einen generellen Immunschutz bietet

Antikörper

werden von B-Zellen gebildet und wirken gegen bestimmte Erreger

Antigene

Proteine an der Oberfläche von Erregern, anhand deren Immunzellen sie erkennen können

Autoimmunerkrankung

Erkrankungen, bei dem das Immunsystem ohne erkennbaren Grund den eigenen Körper angreift und Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Hashimoto oder Diabetes auslösen kann

B-Zellen

Zellen des erworbenen Immunsystems; sie merken sich Erreger und bilden Antikörper

Dendritische Zellen

Immunzellen, die mit ihren Fangarmen Erreger einfangen, verdauen und den B-Zellen weiterleiten

Erworbenes Immunsystem

spezifisches Immunsystem, das mithilfe von Antikörpern gezielt Erreger angreifen kann

Granulozyten

weiße Blutkörperchen, die Bakterien und Allergien bekämpfen; man unterscheiden basophile, eosinophile und neutrophile Granulozyten 

Infektion

Entzündungsreaktion des Immunsystems bzw. Erkrankung, die durch Krankheitserreger verursacht wird, die in den Körper eingedrungen sind

Leukozyten

weiße Blutkörperchen; Oberbegriff für Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten

Lymphozyten

weiße Blutkörperchen; Oberbegriff für B-Zellen, T-Zellen und natürliche Killerzellen

Makrophagen

Bakterienfresser, die aus Monozyten, weißen Blutkörperchen, gebildet werden; sie führen die Phagozytose durch, verdauen also Erreger

Natürliche Killerzellen

Lymphozyten, die Krebszellen und Viren erkennen können

Pathogene

Krankheitserreger

T-Zellen

 erkennen anhand der Antigene Pathogene und bekämpfen sie

Zytokine

Botenstoffe, die dem Immunsystem signalisieren, dass sich Krankheitserreger im Körper befinden

Auf einen Blick – Das Immunsystem

Was ist das Immunsystem?

Das Immunsystem ist ein Zusammenschluss aus mehreren Organen, Zellen und Proteinen. Organe wie die Haut oder der Darm dienen als physikalische Barriere, um Erreger davon abzuhalten, in den Körper einzudringen. Das Knochenmark, die Thymusdrüse und die Milz bilden die Immunzellen. Die Mandeln können Fremdkörper aus der Nahrung und Atemluft erkennen.

Welche Aufgaben haben das angeborene und erworbene Immunsystem?

Das angeborene Immunsystem bietet einen allgemeinen Schutz gegen sämtliche Krankheitserreger. Das erworbene Immunsystem hingegen arbeitet spezifischer: Bei Kontakt mit neuen Erregern merken sich die Immunzellen die Eindringlinge und bilden daraufhin Antikörper. Geraten Sie mit diesem Erreger erneut in Kontakt, greift das erworbene Immunsystem ein und bekämpft ihn zügig mit seinem Repertoire an Antikörpern.

Welche Immunzellen gibt es?

Zu den wichtigsten Immunzellen zählen: T-Zellen, B-Zellen, natürliche Killerzellen, Makrophagen, Monozyten und Granulozyten. Die B-Zellen merken sich bei Kontakt den jeweiligen Erreger und produzieren Antikörper, um ihn schnellstens zu neutralisieren. Die anderen Zellen bekämpfen den Erreger direkt und verdauen ihn.

Quellenangaben

[1]        N. C. for B. Information, U. S. N. L. of M. 8600 R. Pike, B. MD, und 20894 Usa, How does the immune system work? Institute for Quality and Efficiency in Health Care (IQWiG), 2019.

[2]        D. D. Chaplin, „Overview of the Immune Response“, J. Allergy Clin. Immunol., Bd. 125, Nr. 2 Suppl 2, S. S3-23, Feb. 2010, doi: 10.1016/j.jaci.2009.12.980.

[3]        P. C. Calder, „Feeding the immune system“, Proc. Nutr. Soc., Bd. 72, Nr. 3, S. 299–309, Aug. 2013, doi: 10.1017/S0029665113001286.

[4]        „The Thymus: A Forgotten, But Very Important Organ. - PubMed - NCBI“. [Online]. Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27627572. [Zugegriffen: 16-Dez-2019].

[5]        „Pschyrembel Online | Mandel“. [Online]. Verfügbar unter: https://www.pschyrembel.de/Mandel/K0DN6/doc/. [Zugegriffen: 16-Dez-2019].

[6]        „Pschyrembel Online | Milz“. [Online]. Verfügbar unter: https://www.pschyrembel.de/Milz/K0EAF/doc/. [Zugegriffen: 16-Dez-2019].

[7]        Faller, Adolf; Schünke, Michael, Der Körper des Menschen - Einführung in Bau und Funktion, 16. Thieme.

[8]        K. M. Yatim und F. G. Lakkis, „A Brief Journey through the Immune System“, Clin. J. Am. Soc. Nephrol. CJASN, Bd. 10, Nr. 7, S. 1274–1281, Juli 2015, doi: 10.2215/CJN.10031014.

[9]        L. B. Nicholson, „The immune system“, Essays Biochem., Bd. 60, Nr. 3, S. 275–301, Okt. 2016, doi: 10.1042/EBC20160017.

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