Grippe oder Erkältung? Immunsystem stärken und vorbeugen!


Gesund durch Grippe- und Erkältungszeit

Sie möchten Ihre Abwehrkräfte vor der nächsten Grippewelle stärken? Das ist kein Hexenwerk – Studien zeigen, welche Medikamente und Hausmittel wirklich helfen. Mit den richtigen Tipps sind Sie bestmöglich geschützt und können die Symptome einer Erkältung oder Grippe erkennen und schnell loswerden.

Was man über Erkältung und Grippe wissen sollteDer Hals fängt an zu kratzen und die Nase läuft – die häufigste Erkrankung überhaupt schleicht sich wieder ein: die Erkältung. Sie trifft Kinder im Vorschulalter im Durchschnitt etwa achtmal im Jahr, Erwachsene zwei bis fünfmal[1]. Eine ähnliche, meist etwas schwerere und mit Fieber einhergehende Infektion ist die Grippe. 2018 überrollte die Grippewelle Deutschland besonders stark: Rund 330.000 Fälle wurden gemeldet[2]. Das Robert-Koch-Institut schätzte für die Grippesaison 2016/2017 6,0 Millionen grippebedingte Arztbesuche[3]. Vor allem zur Saison liegen die Fragen nahe: Wie kann ich mich schützen und wie werde ich eine Infektion schnell wieder los?

Eine Vielzahl an vermeintlich wundersamen Mitteln und Geheimtipps kursieren unter Arbeitskollegen, Freunden und Familie. Doch was hilft wirklich effektiv? Sollte ich eine Grippeschutzimpfung durchführen, ein Antibiotikum einnehmen und schon mal vorbeugend Vitamin C-Tabletten einnehmen? Wir haben die wissenschaftlichen Datenbanken durchforstet und Ihnen die wirksamsten Hausmittel zusammengetragen.

Unterschied zwischen Grippe und Erkältung

Eine Erkältung und eine Grippe werden durch verschiedene Erreger verursacht, auch wenn die Symptome oftmals identisch sind. Bei einer Erkältung, auch grippaler Infekt genannt, sind es verschiedene Atemwegsviren, die zu Husten und Schnupfen führen, bei einer Grippe die Influenzaviren[4, 5].

Die Symptome – Habe ich eine Erkältung oder eine Grippe?

Prinzipiell verläuft eine Grippe schwerer als eine Erkältung. Plötzlich auftretendes Krankheitsgefühlt mit Fieber, Reizhusten, Muskel- und Kopfschmerzen sind Erkennungsmerkmale der Grippe. Eine Erkältung entwickelt sich in der Regel langsam über mehrere Tage mit Halskratzen und verstopfter Nase[4].

Wie schwer der Verlauf ist und welche Symptome auftreten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt auch von den auslösenden Infektionserregern ab. Beispielsweise ist Fieber bei Kindern häufig, bei Erwachsenen jedoch eher selten und mild[3]. Für den Verlauf einer Grippe nennt das Robert-Koch-Institut eine Faustregel: „Etwa ein Drittel der Infizierten erkrankt mit den oben genannten Symptomen, ein Drittel zeigt eine mildere Symptomatik (wie bei Erkältungs­krank­hei­ten) und ein Drittel entwickelt gar keine Symptome. Insbesondere ältere Erkrankte bekommen häufig kein Fieber[4].“

 

Erkältung

Grippe

Symptome

Vorkommen bei Patienten

Schweregrad

Vorkommen bei Patienten

Schweregrad

Schnupfen

80-100 %

Schwer

20-30 %

Leicht

Halsschmerzen

50 %

Mittel

50-60 %

Schwer

Husten

40 %

Mittel

90 %

Schwer

Kopfschmerzen

25 %

Leicht

85 %

Schwer

Frösteln

10 %

Leicht

90 %

Schwer

Unwohlsein

20-25 %

Mittel

80 %

Schwer

Muskelschmerzen

10 %

Leicht

60-75 %

Schwer

Fieber (> 37,5°)

< 1 %

95 %

Quelle: Thalhammer, Österreichische Ärztezeitung (2010)

Wann sind Grippe-Symptome Anzeichen schlimmerer Krankheiten?

Nicht jedes Fieber kommt von einer Grippe. Auch bakterielle Infektionen können sich mit hohem Fieber ankündigen. Starke Halsschmerzen und hohes Fieber können zum Beispiel Anzeichen einer eitrigen Racheninfektion (Angina) sein, bei Keuchhusten sind Hustenattacken typisch. Bei langanhaltendem oder hohem Fieber sollten Sie einen Arzt aufsuchen[5].

Gut zu wissen: Die Häufigkeit von Erkältungen nimmt mit dem Alter ab. Kinder unter zwei Jahren haben etwa sechs Infektionen pro Jahr, Erwachsene zwei bis drei und ältere Menschen etwa einmal pro Jahr[7–9].

Wie lange bin ich ansteckend?

Treten die ersten Symptome auf, ist die Ansteckungsgefahr am höchsten. Es ist sogar möglich, schon vor den ersten Anzeichen einer Erkältung oder Grippe Viren zu verteilen. Lassen die Beschwerden dann nach, scheiden Sie auch immer weniger Viren aus. Im Schnitt sind Sie ab vier bis fünf Tagen nach Auftreten der ersten Symptome nicht mehr ansteckend[4].

Gut zu wissen: Die durchschnittliche Zeitspanne zwischen der Infektion mit Viren und den ersten Krankheitszeichen nennt man Inkubationszeit. Bei einer Grippe beträgt sie ein bis zwei Tage[4].

Wie lange dauert eine Erkältung oder Grippe?

Wie schnell Sie wieder fit werden, lässt sich nicht pauschal sagen. Doch eins ist klar: Je früher Sie handeln, desto schneller werden Sie wieder gesund. Eine einfache Erkältung oder Grippe ohne Komplikationen dauert in der Regel fünf bis sieben Tage. Eine verschleppte Erkältung kann sich über Wochen ziehen und eine unbehandelte Grippe zu einer Lungenentzündung führen[4].

Grippewelle in Deutschland

Die Grippewelle 2018 setzte ganz Deutschland zu. Nach Einschätzungen des aktuellen Berichts der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) erkrankten zwischen Ende Dezember und Anfang April 2018 nachweislich 333.567 Menschen, in der letzten Grippesaison (Stand 10. April 2017) waren es noch 112.594 bestätigte Grippe-Fälle. Auch die Zahl der grippebedingten Todesfälle hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt[2]. Doch warum verlaufen Grippewellen so unterschiedlich stark?

Wann beginnt eine Grippewelle?

Die Grippewelle beginnt zumeist im Monat Januar und erstreckt sich über drei bis vier Monate bis zum April. Von einer Grippewelle spricht man erst dann, wenn eine große Anzahl an Erkrankten registriert ist[4].

Warum bekommen wir im Winter häufiger die Grippe?

Grippeviren können sich besonders gut bei niedrigen Temperaturen und trockener Luft vermehren - Bedingungen, die im Winter gegeben sind. Haben wir zusätzlich ein schwächeres Immunsystem und unsere Schleimhäute der oberen Atemwege sind durch die trockene Luft gereizt, ist es ein Leichtes für die Viren, sich in unserem Körper auszubreiten[4].

Warum verlaufen die Grippewellen unterschiedlich schwer?

Die Stärke einer Grippewelle ist von den Viren abhängig, der in der jeweiligen Saison am häufigsten zirkulieren. Je nach Art des Virus fallen Krankheitsverläufe unterschiedlich stark aus und andere Personengruppen erkranken. Besonders viele Fälle gibt es, wenn kaum Menschen gegen ein Virus immun sind – weil sie sich in der Vorsaison nicht angesteckt haben oder weil das Virus sich genetisch verändert hat. Zusätzlich gibt es einen Virusstamm (die sogenannten Influenza B-Viren), der meist erst spät in der Saison auftritt und die Grippewelle somit verlängert[4].  

Gut zu wissen: Auf folgender Seite können Sie sich darüber informieren, welche Grippe-Viren derzeit in der Schweiz zirkulieren.

Grippeschutzimpfung

Die Zahlen der Grippeschutzimpfungen sind rückläufig. In der Saison 2016/17 ließen sich bundesweit nur 34 Prozent der Menschen über 60 Jahre gegen Grippe impfen[10].

Grippeschutzimpfung – Schützt mich eine Impfung tatsächlich vor der Grippe?

Aktuell schützt Sie kein Impfstoff zu 100 Prozent vor einer Grippe. Eine Untersuchung in den letzten Jahren stellte fest, dass im Durschnitt die Hälfte derer, die geimpft sind, auch vor einer Grippe geschützt ist. Die Wirkung nimmt besonders dann ab, wenn die geimpften Personen ein schwaches Immunsystem haben. Eine Impfung alleine reicht also nicht aus, um Sie vor einer Ansteckung zu bewahren[1].

Eine Grippe kann bei Personengruppen mit schwächeren Abwehrkräften mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung führen. Experten empfehlen daher folgenden Personen, sich vor der Grippesaison zu impfen[1]:

  • ältere Menschen
  • chronisch Kranke
  • Schwangere

Gut zu wissen: „Der Impfstoff gegen Grippe wird jedes Jahr an die drei Virustypen angepasst, die voraussichtlich am häufigsten im Umlauf sein werden. Denn Influenzaviren können sich ständig verändern. Die Impfung schützt dabei lediglich vor den ausgewählten Grippeviren“, so das Robert-Koch-Institut[4].

Während einer Grippesaison sollten Sie also zusätzlich folgende Maßnahmen ergreifen, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Der beste Schutz gegen eine Erkältung ist tatsächlich: Händewaschen.

10 wichtige Hygienetipps zur Grippezeit

Immunsystem stärken

Wenn Sie weniger anfällig gegenüber Infekten wie Erkältung und Grippe sein möchten, ist ein starkes Immunsystem wichtig. Mit diesen Tipps und Tricks können Sie nach aktuellem Wissensstand Ihre Infektanfälligkeit verringern. Wir klären auf, ob uns Zinktabletten, Vitamin C und Co. tatsächlich vor Viren schützen.

Vitamin D und der Nutzen für unser Immunsystem

Vitamin D ist das einzige Vitamin, bei dem wir unseren Bedarf nicht über die Ernährung decken können. Unser Körper produziert Vitamin D selbst, benötigt dazu aber das Licht der Sonne. Gerade in den Wintermonaten findet kaum Sonne den Weg auf unsere Haut – daher schleicht sich oft von Oktober bis März ein Vitamin D-Mangel ein[14].

Die Forschung belegt, dass ein Vitamin D-Mangel mit einer erhöhten Infektanfälligkeit verbunden ist[15].

Vitamin D hat sich als wichtiger Regulator des Immunsystems erwiesen[15]. Deswegen untersuchten Studien die Wirksamkeit von Vitamin-D-Supplementen auf die Häufigkeit und Schwere einer Erkältung. Die Ergebnisse der Studien sind jedoch nicht eindeutig.

Ein Forscherteam überprüfte daher elf wissenschaftliche Studien, die insgesamt 5660 Studienteilnehmer umfassten. Zur Untersuchung der Wirksamkeit erhielten die Teilnehmer im Schnitt täglich 1600 internationale Einheiten (IE) Vitamin D über einen Zeitraum von 24 Stunden bis drei Monaten[16].

Die zusammengefassten Ergebnisse der elf Studien zeigen deutlich, dass das Risiko, an einer Atemwegsinfektionen zu erkranken, mit einer Vitamin D-Einnahme sinkt[16].

In einigen Studien erkrankten Teilnehmer, denen täglich Vitamin D verabreicht wurde, deutlich seltener an Atemwegsinfektionen. Auf der anderen Seite zeigte Vitamin D keine Wirkung, wenn es nur einmal pro Monat oder seltener in großen Dosen verabreicht wurde. Das Forscherteam betonte dabei, dass die Ergebnisse nicht von den Vitamin D-Ausgangswerten der Teilnehmer abhängig waren[16].

Frühere Studien demonstrierten das Gegenteil: Es profitierten nur Personen mit einem niedrigen Vitamin D-Level von der Vitamin D-Einnahme[17]. In einer weiteren Studie konnten gesunde Teilnehmer mit einem Vitamin D-Mangel ihre Anfälligkeit gegenüber einer Erkältung allerdings nicht senken, indem sie Vitamin D einnahmen[18].

Kurz und knapp: Vitamin D hat bewiesenermaßen einen Effekt auf unser Immunsystem. Ob das Vitamin tatsächlich vorbeugend gegen Infektionen der oberen Atemwege, eine Erkältung, tatsächlich helfen, ist noch nicht endgültig geklärt. Einzelne Studie zeigen zum Teil gegensätzliche Ergebnisse. Eine Auswertung von elf Studien zeichnet aber ein Bild: Eine Vitamin D-Einnahme senkt das Risiko.

Die Wirkung von Darmbakterien auf das Immunsystem

Der Einfluss unserer Darmbakterien wurde lange unterschätzt. Heute weiß man, dass Probiotika die Gesundheit eines Menschen verbessern, indem sie die Immunfunktion regulieren. Manche Stämme von Darmbakterien können tatsächlich Erkältungen verhindern. Studien belegen:

„Probiotika stärken unsere Abwehrkräfte gegen Infuenzaviren[19]

Eine Studie an Kindern kam zu weiteren vielversprechenden Ergebnissen: Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren mit Erkältungssymptomen und grippeähnlichen Symptomen bekamen über sechs Monate täglich probiotische Nahrungsergänzungsmittel verabreicht. Daraufhin litten sie seltener unter Fieber und Schnupfen und Ärzte verschrieben ihnen weniger Antibiotika [20]. Eine mit Schulkindern durchgeführte Studie untermauert die Ergebnisse: Kinder, die kontinuierlich ein probiotisches Getränk mit dem Bakterium Laktobacillus brevis einnehmen, erkranken seltener an einer Infektion[21]

Tipp: Während der Grippezeit ist es vorteilhaft, probiotische Lebensmittel wie Kefir, Joghurt und Sauerkraut in den Speiseplan aufzunehmen. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Darmgesundheit – Anleitung zu gesunden Darmflora.

Der Mythos: Zinktabletten beugen Erkältungen vor

Hilft Zink bei Erkältungen?Das Spurenelement Zink hat eine immunstärkende Wirkung und kann unsere Abwehrkräfte mit aufbauen. Da liegt die Annahme nahe, dass es auch vor Erkältungen schützt, gezielt Zink einzunehmen. Eine Auswertung von 16 Studien zur Wirkung von Zink als vorbeugende und therapeutische Maßnahme bei Erkältung zeigte allerdings folgendes uneinheitliches Bild[11]:

„Nein“ zur vorbeugenden Wirkung: Eine schützende Wirkung von Zink konnte in den Studien nicht bewiesen werden. Zink vorbeugend einzunehmen, um sich vor Erkältungen zu schützen, sehen die Forscher kritisch. Denn dafür liegen nicht genügend Daten vor. Die Zinkeinnahme konnte die Häufigkeit von Erkältungen bei Kindern verringern. Ob eine regelmäßige Zinkaufnahme in Tablettenform bei Kindern sinnvoll ist und welche Dosis optimal ist, muss aber anhand weiterer Studien erforscht werden[11].

Aktuelle Studien belegen, dass das Einnehmen von Zink die Dauer und Schwere einer Erkältung vermindert, aber eine Erkältung nicht verhindern kann.

„Ja“ zum Zinkeinsatz bei schon bestehender Erkältung: „Zink, das innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Symptome verabreicht wird, reduziert die Dauer von Erkältungssymptomen bei gesunden Menschen“, so fassten Forscher die Studienergebnisse zusammen. Die Studienteilnehmer, die Zinklutschtabletten mit einer Dosis von etwa 75 mg am Tag erhielten, waren im Schnitt einen halben bis anderthalb Tage früher beschwerdefrei[11]

Tipp: Mithilfe von zinkreichen Lebensmitteln füllen Sie Ihre Zinkspeicher auf: Rindfleisch, Seefisch, Meeresfrüchte, Milcherzeugnisse (vor allem Käse), Eier, Vollkornerzeugnisse. Die empfohlene Zinkzufuhr von täglich sieben Milligramm für Frauen beziehungsweise 10 Milligramm für Männer ist mit einer abwechslungsreichen Mischkost kein Problem[12].

Ist Vitamin C bei Erkältungen hilfreich?

Das bekannteste der Vitamine ist an der Stärkung der körpereigenen Abwehr maßgebend beteiligt. Ob die Einnahme von Vitamin C einer Erkältung entgegenwirken kann, ist nach wie vor umstritten. Eine Übersicht aus 2017 trägt die Studienergebnisse zusammen[13]:

„Vitamin C hilft bei gesunden Menschen nicht, einer Erkältung vorzubeugen. Es kann aber möglicherweise die Dauer der Infektion verringern.“

Wenn Sie Vitamin C einnehmen, lässt Sie das also nicht seltener an einer Erkältung erkranken – aber ihre Erkältungen können kürzer ausfallen.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 kam zu einem anderen Ergebnis: Bei Menschen, die körperlich aktiv sind, könne eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C die Anzahl der Erkältungen halbieren. Die Autoren vermuten, die negativen Ergebnisse bisheriger Studien könnten an den relativ niedrigen verabreichten Mengen liegen. So konnten Sie eine positive Wirkung erst ab einer Menge von sechs bis acht Gramm Vitamin C am Tag messen[13].

Wussten Sie, dass der tägliche Vitamin C-Bedarf schon durch ein Glas Orangensaft oder eine Portion gegarten Brokkoli (150g) gedeckt werden kann? Vitamin C-reiche Lebensmittel sind: Rote Paprika, Brokkoli, Beeren, Orange, Zitrone, Kartoffel.

Ginseng – Wirkungsvolle Heilwurzel

In der traditionellen chinesischen Medizin gilt die Ginseng-Pflanze als Heilwurzel mit immunstärkender Wirkung. Und tatsächlich: Sie verbessert die Leistungsfähigkeit unseres Immunsystems, in dem sie die Abwehrkräfte unterstützt[22]. Eine im American Journal of Chinese Medicine veröffentlichte Studie ergab, dass Ginseng-Extrakt bei oraler Verabreichung erfolgreich Antikörper-Reaktionen einleitete. Diese Reaktionen halten Toxine und Viren davon ab, unsere Körperzellen zu beschädigen. Ginseng hilft also dem Körper dabei, eingedrungene Mikroorganismen wie Viren zu bekämpfen[23].

Viel trinken in der kalten Jahreszeit

Wenn Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, sorgt das für optimale Befeuchtung der Haut und Schleimhäute. Das ist vor allem in den kalten Wintermonaten wichtig! Dadurch schaffen Sie eine wirksame Barriere gegen Viren und Bakterien. In der Erkältungszeit eignen sich Tees mit Ingwer, Holunder oder Lindenblüte, die das Immunsystem stimulieren. Wasser ist natürlich auch immer eine Option.

Freie Radikale vermeiden

Freie Radikale stehen am Anfang vieler Gesundheitsbeschwerden. Sie greifen unsere Zellen und unser Immunsystem an und machen sie funktionsuntüchtig. Freie Radikale entstehen durch: Rauchen, Alkohol, Fast Food und Fertigprodukte, verschmutzte Luft in Ballungszentren mit hohem Verkehrsaufkommen und entsprechend hoher Abgasbelastung sowie durch Medikamente. Wenn Sie den Kontakt mit diesen Auslösern vermeiden oder zumindest verringern, nimmt ihr Immunsystem weniger Schaden.    

Allgemeine Empfehlungen zur Stärkung des Immunsystems

  • Bewegung: Wer körperlich aktiv ist, stärkt seine Abwehrkräfte.
  • Stress: Legen Sie im Alltag immer mal wieder Ruhephasen ein. So schüttet Ihr Körper weniger Stresshormone aus.
  • Schlaf: Regelmäßiger und ausreichender Schlaf kann das Immunsystem stärken
  • Abhärtung: Sauna und kalte Güsse, der Temperaturwechsel von heiß zu kalt, stärkt Ihre Abwehr.

Antibiotika bei Grippe

Eine Infektion der oberen Atemwege wird zu 90 Prozent durch Viren ausgelöst. Eine Grippe ist per Definition ein viraler Infekt. Antibiotika können aber nur Bakterien vernichten, keine Viren. Die Einnahme eines Antibiotikums ist also nur in 10 Prozent der Fälle sinnvoll[24].

Im Bundesdurchschnitt wurden 2014 30,6 Prozent aller Patienten mit der Diagnose Atemwegserkrankungen antibiotisch behandelt. Der Versorgungsatlas betont die beträchtlichen regionalen Schwankungen: Diese reichen von 21,5 Prozent in Berlin bis 37,8 Prozent im Saarland[25]. Ein Schnelltest kann den Ärzten die Entscheidung abnehmen, ob ein Antibiotikum bei den typischen Symptomen einer Grippe oder Erkältung sinnvoll ist. Der Test kann zwischen einer viralen und bakteriellen Infektion unterscheiden. Die Kosten werden seit Juli 2018 von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Nun müssen die Ärzte für den Test sensibilisiert werden. Zusätzlich kann der Test die Auswahl des richtigen Antibiotikums unterstützen. Zu oft kommen auf Verdacht Breitbandantibiotika zum Einsatz. Diese Medikamente wirken gegen viele Arten von Bakterien, können aber auch dazu führen, dass Erreger Antibiotikaresistenzen entwickeln[26].

Rezeptfreie Medikamente

Viele Menschen begeben sich bei den ersten Anzeichen einer Erkältung oder Grippe in die Apotheke, um sich ihr liebstes Mittelchen gegen Schnupfen, Husten und Fieber zu besorgen. Doch ist das immer sinnvoll? Stiftung Warentest untersuchte zusammen mit einem Team von Arzneimittelexperten 1500 rezeptfreie Medikamente, unter denen sich auch viele Erkältungsmittel befanden[27]:

Das Ergebnis: Nicht jedes Präparat ist geeignet und etwa ein Drittel schnitt sogar schlecht ab. Unter den Präparaten gegen Erkältung kritisiert der Bericht vor allem sogenannte Kombinations-Medikamente mit verschiedenen Wirkstoffen. Die Inhaltsstoffe würden sich nicht sinnvoll ergänzen, ihre Kombination bringe dafür ein höheres Risiko von Nebenwirkungen mit sich[28]

Hier finden Sie die Liste bekannter rezeptfreier Medikamente, die Stiftung Warentest als wenig geeignet eingestuft hat, mit Bewertungen und Alternativen.

Hausmittel gegen Erkältung

Was tun, wenn die Erkältung Sie schon voll im Griff hat? Helfen die alten Hausmittel wie Omas Hühnersuppe überhaupt oder steckt da nur unsere Psyche dahinter? Wissenschaftliche Studien haben folgende fünf Hausmittel als wirksam eingestuft:

5 Hausmittel gegen Erkältung

Ingwer: Die Kraft der gelben Knolle

Die etwas unförmige und krumme Ingwer-Knolle ist eines der ältesten Gewürze der Welt und wird fast überall in Asien seit Jahrtausenden als Heilmitteln verwendet. Die Forschung zeigt, dass Ingwer ein antimikrobielles Potenzial hat, das bei der Behandlung von Infektionskrankheiten hilft, und dass es antientzündlich wirkt[29].

Die traditionelle chinesische Medizin empfiehlt folgende Zubereitung: einen Esslöffel klein geschnittenen Ingwer mit einer großen Tasse (200 bis 250 Milliliter) kaltem Wasser übergießen und gemeinsam im geschlossenen Topf aufkochen. 15 bis 20 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, anschließend abseihen. Drei Tassen pro Tag.

Knoblauch gegen Schnupfen

Eine Studie aus Großbritannien ergab, dass eine tägliche Einnahme der Knoblauchkomponente Allicin das Risiko einer Erkältung um mehr als die Hälfte reduziert. Die 146 Teilnehmer nahmen über 90 Tage täglich eine Kapsel mit Allicin ein[30].

Die Studie ergab auch, dass diejenigen, die das Präparat einnahmen und sich erkälteten, sich schneller erholten als die Patienten, die das Placebo einnahmen. Zusätzlich waren die Chancen einer erneuten Infektion nach einer Erkältung deutlich reduziert[30].

Tipp: Um ein Knoblauchöl selbst herzustellen, benötigen Sie lediglich zerdrückte Knoblauchzehen, welche Sie für etwa fünf Stunden in Öl (z.B. Olivenöl) einlegen und anschließend abseihen. Nehmen sie vor der Grippezeit täglich mindestens einen Teelöffel des Knoblauchöls zu sich.   

Das Geheimnis hinter der Hühnersuppe

Ein altbewährtes Rezept. Herauszufinden, ob und vor allem wieso die Suppe bei Erkältungen wirkt, gestaltet sich als schwierig. Der Grund sind die vielen verschiedenen Komponenten der Suppe.

Ein Forscherteam aus Nebraska nahm im Jahr 2000 die Hühnersuppe genauer unter die Lupe. Anhand von Blutproben von Freiwilligen stellten sie fest, dass die Suppe die Bewegung von weißen Blutkörperchen (Neutrophilen) hemmt, die vor Infektionen schützt -  und so unserem Körper bei der Infektionsbekämpfung hilft. Unter einer Bedingung: man setzt das Huhn kalt auf und lässt es langsam köcheln[31].

Holunder-Beeren stärken das Immunsystem

Schon Hippokrates verstand es, die Beeren der Holunderpflanze für ein stärkeres Immunsystem einzusetzen. Eine Studie im Journal of International Medical Research zeigte, dass Holundersirup bei einer Infektion mit bestimmten Viren (Influenza A und B) Grippe-Symptome lindern kann. Die Teilnehmer nahmen innerhalb von 48 Stunden nach den ersten grippeähnlichen Symptomen täglich 15 Milliliter Holundersirup ein[32].

Ätherische Öle: Oregano-Öl

Oregano-Öl ist bekannt für seine heilenden und immunstärkenden Eigenschaften. Auf natürlichem Weg bekämpft es Infektionen durch seine antibakteriellen und antiviralen Verbindungen[33].

Verwenden Sie das Öl nur in gelöster Form mit einem anderen Öl (z.B. Olivenöl oder Rapsöl) und niemals pur. 

Helfen Globuli bei Erkältung?

Die kleinen weißen Kügelchen finden bei den verschiedensten Symptomen ihren Einsatz in der Homöopathie. Ein Hauptbestandteil der Globuli ist meist Saccharose (Haushaltszucker), in einer starken Verdünnung ist in sehr geringen bis gar nicht messbaren Mengen ein Wirkstoff zugesetzt. Den Globuli werden groß angelegten Studien zufolge höchstens Placebo-Effekte nachgesagt[34].  

Ein unabhängiges Forscherteam aus Australien untersuchte an 1562 Kindern, ob Globuli bei Kindern helfen können, einer Erkältung vorzubeugen und sie zu behandeln. Das Fazit des Forschungsteams: „Wir haben keine Hinweise gefunden, die die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimitteln für akute Atemwegsinfektionen bei Kindern unterstützen“[35].

Zusammenfassung

  • Eine Grippe wird durch andere Erreger ausgelöst als eine Erkältung.
  • Unter einem grippalen Infekt versteht man eine Erkältung, die in der Regel milder abläuft als eine Grippe.
  • Die Schwere der Symptome einer Erkältung oder Grippe ist vom Erreger abhängig und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
  • In den ersten Stunden einer sich anbahnenden Erkältung oder Grippe ist die Ansteckungsgefahr am höchsten, in den darauffolgenden Tagen lässt sie schrittweise ab.
  • Die Gefahr einer Grippe ist im Winter besonders hoch. Ein Grund sind die optimalen Bedingungen für eine Virusausbreitung: niedrige Temperaturen, trockene Luft, geschlossene Räume, gereizte Schleimhäute.
  • Eine Grippeschutzimpfung kann die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu erkranken, minimieren. Sie schließt sie allerdings nicht komplett aus.
  • Der beste Schutz vor einer Ansteckung ist die Handyhygiene.
  • Zink und Vitamin C können die Dauer einer Grippe verkürzen, ein Mangel an Vitamin D erhöhte die Infektanfälligkeit.
  • Gesundheitsfördernde Darmbakterien stärken unser Abwehrsystem nachweislich und helfen unserem Immunsystem bei der Bekämpfung von Viren und Bakterien.
  • 90 Prozent der Infektionen der oberen Atemwege werden durch Viren verursacht. Eine Antibiotikaeinnahme würde in diesen Fällen nicht wirken.
  • Studien belegen den Nutzen von Ingwer, Knoblauch, Hühnersuppe, Holunder und Oregano-Öl bei Schnupfen und Co. Homöopathische Globuli haben Studien zufolge nur einen Placebo-Effekt.

Quellenangaben

  1. Maike, S., Wv, K.: Antibiotikaverordnungen in der ambulanten Versorgung in Deutschland bei bestimmten Infektionserkrankungen. 23
  2. RKI (Arbeitsgemeinschaft Influenza), https://influenza.rki.de/
  3. Infografik: Grippesaison beschert Ärzten viel Arbeit, https://de.statista.com/infografik/6158/grippebedingte-arztbesuche-in-deutschland/
  4. RKI - Influenza - Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe, https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ_Liste.html
  5. Atemwegsinfektionen, https://www.infektionsschutz.de/infektionskrankheiten/krankheitsbilder/atemwegsinfektionen/
  6. Heikkinen, T., Järvinen, A.: The common cold. The Lancet. 361, 51–59 (2003). doi:10.1016/S0140-6736(03)12162-9
  7. Kvaerner, K.J., Nafstad, P., Jaakkola, J.J.: Upper respiratory morbidity in preschool children: a cross-sectional study. Arch. Otolaryngol. Head Neck Surg. 126, 1201–1206 (2000)
  8. Leder, K., Sinclair, M.I., Mitakakis, T.Z., Hellard, M.E., Forbes, A.: A community-based study of respiratory episodes in Melbourne, Australia. Aust N Z J Public Health. 27, 399–404 (2003)
  9. Monto, A.S.: Epidemiology of viral respiratory infections. Am. J. Med. 112 Suppl 6A, 4S-12S (2002)
  10. Die TK empfiehlt die Grippeimpfung | TK, https://www.tk.de/tk/pressemitteilungen/bundesweite-pressemitteilungen/979720
  11. Singh, M., Das, R.R.: Zinc for the common cold. In: The Cochrane Collaboration (ed.) Cochrane Database of Systematic Reviews. John Wiley & Sons, Ltd, Chichester, UK (2013)
  12. Zink, https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/
  13. Hemilä, H.: Vitamin C and Infections. Nutrients. 9, (2017). doi:10.3390/nu9040339
  14. Holick, M.F.: Deficiency of sunlight and vitamin D. BMJ. 336, 1318–1319 (2008). doi:10.1136/bmj.39581.411424.80
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  16. Bergman, P., Lindh, Å.U., Björkhem-Bergman, L., Lindh, J.D.: Vitamin D and Respiratory Tract Infections: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. PLoS One. 8, (2013). doi:10.1371/journal.pone.0065835
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  18. Murdoch, D.R., Slow, S., Chambers, S.T., Jennings, L.C., Stewart, A.W., Priest, P.C., Florkowski, C.M., Livesey, J.H., Camargo, C.A., Scragg, R.: Effect of vitamin D3 supplementation on upper respiratory tract infections in healthy adults: the VIDARIS randomized controlled trial. JAMA. 308, 1333–1339 (2012). doi:10.1001/jama.2012.12505
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  22. Kang, S., Min, H.: Ginseng, the “Immunity Boost”: The Effects of Panax ginseng on Immune System. J Ginseng Res. 36, 354–368 (2012). doi:10.5142/jgr.2012.36.4.354
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  24. Tauchnitz, C., Miksits, M.: Infektionen des oberen Respirationstrakts. In: Hahn, H., Kaufmann, S.H.E., Schulz, T.F., and Suerbaum, S. (eds.) Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. pp. 808–811. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg (2009)
  25. Verordnungsraten, D.: 600 bis 700 Tonnen Antibiotika. 4
  26. Bevölkerung informieren: Hamburg startet Kampagne zu Antibiotika, https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/praevention/article/963007/bevoelkerung-informieren-hamburg-startet-kampagne-antibiotika.html
  27. Warentest, S.: Medikamente - Diese beliebten Arzneimittel sind wenig geeignet - Special - Stiftung Warentest, https://www.test.de/Medikamente-Diese-beliebten-Arzneimittel-sind-wenig-geeignet-4611718-0/
  28. Warentest, S.: Medikamente - 35 wenig geeignete rezeptfreie Mittel - Special - Stiftung Warentest, https://www.test.de/Medikamente-Diese-beliebten-Arzneimittel-sind-wenig-geeignet-4611718-4611750/
  29. Mashhadi, N.S., Ghiasvand, R., Askari, G., Hariri, M., Darvishi, L., Mofid, M.R.: Anti-Oxidative and Anti-Inflammatory Effects of Ginger in Health and Physical Activity: Review of Current Evidence. Int J Prev Med. 4, S36–S42 (2013)
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