Nussallergie


Wie Nussallergiker und ihre Eltern sicher durch den Alltag kommen

Vor allem bei Kindern lösen Allergien gegen Erdnüsse und Haselnüsse manchmal lebensgefährliche allergische Schocks aus. Davor schützen Notfallsets, sorgfältige Recherche – und bald vielleicht neue Immuntherapien.

Zutatenlisten auf Verpackungen studieren, still den Kopf schütteln, zur nächsten Packung greifen - überall stehen Sätze wie „Kann Spuren von Schalenfrüchten enthalten“ oder „Kann Spuren von Nüssen enthalten“. Das ist der Alltag von Menschen mit einer Nussallergie und von den Eltern kleiner Nussallergiker. Bei manchen von ihnen lösen schon wenige Milligramm einer Nuss schwere Reaktionen hervor, bis hin zum allergischen Schock. Dabei ist es egal, ob Sie eine Nuss essen, ob Nussrückstände in Schokolade oder einem Brotaufstrich stecken oder ob auf den Lippen Ihres Partners lauern[1].

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Nüsse neben Erdnüssen üblicherweise Allergien auslösen. Wir erklären, wie Sie sich und Ihre Kinder für einen anaphylaktischen Schock wappnen und wie Sie sich auf Lebensmittelallergien testen. Außerdem stellen wir Ihnen wissenschaftliche Erkenntnisse zur oralen Immuntherapie vor, einer neuen Behandlungsmethode, mit der Erdnussallergien vielleicht bald heilbar sind.

Was passiert bei einer Nussallergie?

Haben wir eine Allergie, leitet unser Immunsystem wegen eigentlich harmloser Stoffe Abwehrreaktionen ein, die zu Symptomen wie Schnupfen, juckenden Augen oder Durchfall führen. Stoffe, die Allergien auslösen, nennen Experten Allergene. Dabei handelt es sich um bestimmte Proteine, die zum Beispiel in Blütenpollen, Insektengift oder eben in Erdnüssen, Walnüssen, Haselnüssen, Mandeln und anderen Nüssen stecken.

Sind Erdnüsse keine Nüsse?

Nun würde manch ein Botaniker vermutlich protestieren: Mandeln und Erdnüsse sind gar keine Nüsse! Tatsächlich ist die Erdnuss eine Hülsenfrucht und näher mit Bohnen und Erbsen verwandt als mit Walnüssen und Haselnüssen. Forscher unterscheiden deswegen Erdnüsse von „Baumnüssen“, zu denen so gut wie alle anderen Nüsse zählen.

  • Walnuss, Haselnuss und Macadamia: „echte“ Nüsse
  • Cashew, Kokosnuss, Mandel, Pekannuss und Pistazie: Steinfrüchte
  • Paranüsse: Kapselfrüchte
  • Pinienkerne: Samen

Verschiedene Sorten Nüsse

Von links oben nach rechts unten: Pinienkerne, Walnüsse, Haselnüsse, Cashews, Pekannüsse, Mandeln, Erdnüsse

Welche Nüsse lösen Allergien aus?

In einer groß angelegten Befragung in den USA kamen Forscher zu dem Schluss, dass 1,4 Prozent der US-Bevölkerung von einer Erdnuss- oder Baumnuss-Allergie betroffen sind. Mehr als die Hälfte der Befragten litten unter einer Erdnuss-Allergie[2]. Eine weitere Untersuchung ergab, dass für amerikanische Baumnuss-Allergiker die häufigsten Auslöser Walnuss (34 Prozent), Cashew-Nuss (20 Prozent), Mandel (15 Prozent), Pekannuss (9 Prozent) und Pistazie (7 Prozent) sind[3]. Für Deutschland ist bekannt, dass neben Erdnüssen auch Haselnüsse und Walnüsse zu den häufigsten Auslösern schwerer allergischer Schocks gehören[1].

Kreuzallergien – auf was reagieren Nuss-Allergiker noch?

Der Begriff „Nussallergie“ kann irreführend sein – nur sehr wenige Leute sind tatsächlich gegen sämtliche Nüsse allergisch. Trotzdem macht eine Nussallergie Reaktionen auf andere Nüsse wahrscheinlicher. Nüsse können Kreuzallergien zu anderen Nüssen auslösen, bei Erdnüssen sind Reaktionen auf Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Soja typisch[4].

Ernährungs-Tipp: Sind Sie gegen mehrere Sorten von Nüssen allergisch, können Sie als Ersatz zum Beispiel Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Sesam, Mohn, Chiasamen und Leinsamen einsetzen. Auch Kokosnüsse sind für die meisten Nussallergiker unbedenklich.

Sind Erdnussallergiker auch gegen andere Nüsse allergisch?

In einer US-amerikanischen Studie konnten zum Beispiel 96 Prozent der Probanden, die gegen Erdnüsse allergisch waren, ohne jeden Zwischenfall andere Nüsse essen. Auch viele Versuchsteilnehmer, die etwa gegen Walnuss oder Haselnuss allergisch waren, konnten andere Nüsse verzehren[5, 6].

Müssen Allergiker gleich auf alle Nüsse verzichten?

Familien, in denen Kinder eine Allergie gegen eine Nusssorte haben, verbannen häufig alle Nüsse aus dem Haus. Die Angst vor einem allergischen Schock ist groß – und verständlich. Doch sie kann die Ernährung einschränken, schließlich liefern Nüsse wertvolle Nährstoffe, sie sind reich an Proteinen, ungesättigten Fettsäuren und Mineralstoffen wie Calcium, Magnesium und Eisen. Probieren Sie aber besser nicht einfach Lebensmittel an sich und Ihren Kindern aus. Allergietests können Ihnen dabei helfen, Allergien besser einzuschätzen und die Ernährung Ihrer Familie sicher und ausgewogen zu gestalten.

Wussten Sie schon? In Umfragen geben regelmäßig zwischen 20 und 40 Prozent der Menschen in Deutschland an, sie würden unter einer Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit leiden. Experten gehen aber von viel niedrigeren Zahlen aus. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2013 kam zum Beispiel nur auf einen Lebensmittel-Allergiker-Anteil von 4,7 Prozent[7, 8].

Aktueller Wissensstand: Kleinkindern Erdnüsse füttern kann Allergie verhindern

Lange Zeit rieten Experten Eltern, kleine Kinder von typischen Allergieauslösern wie Nüssen fernzuhalten. Doch neue Studien legen nahe, dass Kinder, die früh Erdnüsse essen, seltener eine Allergie entwickeln. Die Behörden in den USA haben deswegen im Januar 2018 ihre Leitlinie für den Umgang mit Erdnussallergie aktualisiert. Die neue Empfehlung für Eltern, deren Kinder als allergiegefährdet gelten, weil sie unter Dermatitis oder einer Eierallergie leiden, lautet nun: Schließen Sie in die Ernährung Ihres Kindes ab dem vierten bis sechsten Monat erdnusshaltige Nahrung mit ein, zum Beispiel mit Erdnussbrei. Vorher sollten Sie mit einem Allergietest sichergehen, dass Ihr Kind nicht bereits eine Erdnussallergie hat[9, 10].

Nussallergie - Symptome

Was sind die Symptome einer Nussallergie?

  • Hautveränderungen: Kribbeln und Juckreiz im Mund, Rötungen, Nesselsucht, Schwellungen
  • Atemwege: Niesen, Husten, Engegefühl im Hals, Atemnot
  • Verdauungssystem: Erbrechen und Durchfall

Symptome einer Nussallergie

Nussallergie – Anaphylaktischer Schock

Eine besonders schwere allergische Reaktion, die den ganzen Körper betreffen kann, nennen Fachleute Anaphylaxie. Sie kann einen lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock hervorrufen.

Was sind die Warnzeichen für einen anaphylaktischen Schock?

Ein anaphylaktischer Schock kündigt sich manchmal, aber nicht immer, durch Warnzeichen an. Die ärztliche Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. nennt folgende mögliche Beschwerden, die früh auftreten können[12]:

  • Juckreiz, Brennen und Kribbeln an den Händen, Fußsohlen und im Genitalbereich
  • Kribbeln und Juckreiz an der Zunge und am Gaumen
  • Angstgefühle und Kopfschmerzen
  • Metallischer Geschmack im Mund
  • Kinder werden oft unruhig sowie ängstlich oder aggressiv und ziehen sich zurück, bevor sie andere Symptome zeigen

Grafik: In diesen Produkten können Nüsse enthalten sein[13].

Welche Symptome treten bei einer Anaphylaxie auf?

Eine Anaphylaxie betrifft vor allem die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und das Herzkreislaufsystem. Die Symptome können unterschiedlich stark ausfallen, einzeln oder gemeinsam auftreten und bauen nicht aufeinander auf. Es kann beispielsweise direkt zu Kreislaufproblemen kommen, ohne dass vorher ein Hautausschlag auftritt. Die Beschwerden können schnell eintreten oder sich über Stunden entwickeln.

Bei leichten anaphylaktischen Reaktionen ist nur die Haut betroffen, es kommt zu Juckreiz, Rötungen und Schwellungen, auch im Mund und Rachen.

Mittelschwere Reaktionen äußern sich zusätzlich durch Beschwerden des Magen-Darm-Traktes (Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall, unwillkürlicher Stuhlgang), der Atemwege (laufende Nase, Heiserkeit, Atemnot) und des Herz-Kreislauf-Systems (beschleunigter Puls, sinkender Blutdruck, Schwindel).

Ein schwerer anaphylaktischer Schock kann mit Atemstillstand und einem Kreislauf-Schock bis hin zu Bewusstlosigkeit und Kreislaufstillstand einhergehen und tödlich enden. Todesfälle durch Lebensmittelallergien kommen jedoch relativ selten vor. Britische Wissenschaftler errechneten, dass es für Erdnussallergiker in Großbritannien wahrscheinlicher ist, durch einen Unfall oder sogar einen Mord zu sterben als durch einen anaphylaktischen Schock[14, 15].

Wie häufig ist ein anaphylaktischer Schock durch Nüsse?

Lebensmittenallergien, allen voran jene gegen Erdnüsse, sind für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren die häufigsten Auslöser einer Anaphylaxie. Bei Erwachsenen kommen Lebensmittel auf Platz drei, hinter Insektengiften und Medikamenten. Haselnuss und Walnuss gehören ebenfalls zu den Top-10-Auslösern von Anaphylaxien[1, 4, 16].

Sieben Nahrungsmittel, die am häufigsten Anaphylaxien auslösen

Lebensmittel

Prozent der Anaphylaxie-Fälle

Hülsenfrüchte (u.a. Erdnuss, Soja)

23,2

Tierische Nahrungsmittel (u.a. Milch, Ei)

21,7

Nüsse/Schalenfrüchte

19,1

Getreide

9,6

Obst

6,3

Gemüse

6,1

Gewürze/Kerne

5,3

Anaphylaktischer Schock – wie bereite ich mich auf den Notfall vor?

Haben Sie oder Ihre Kinder eine starke Allergie gegen gefährliche Allergene wie Erdnüsse und Baumnüsse oder bereits einen anaphylaktischen Schock durchgemacht? Dann kann Ihr Allergologe Ihnen ein Rezept für ein Notfallset mit wichtigen Medikamenten ausstellen. Das Set enthält genaue schriftliche Anweisungen, mit denen Sie, Ihr Kind oder andere Menschen Erste Hilfe leisten können. Einen Anaphylaxie-Notfallplan erhalten Sie zum Beispiel von einem Facharzt für Allergologie oder auf Anfrage[12].

Was gehört in mein Notfallset für den anaphylaktischen Schock?

Bei schweren anaphylaktischen Schocks ist das Hormon Adrenalin das oft lebensrettende Medikament. Es steigert den Blutdruck, um einem Kreislauf-Schock entgegenzuwirken. Außerdem entspannt es die Muskeln in der Lunge, was Atemnot lindern kann. Das Notfallset enthält einen Autoinjektor, auch Adrenalin-Pen genannt. Damit können Betroffene oder Ersthelfer Adrenalin in die Muskeln an der Außenseite des Oberschenkels spritzen[17].

Zum Notfallset gehören in der Regel folgende weitere Medikamente[12, 18, 19]:

  • Ein Antihistaminikum nehmen Sie bei den ersten Anzeichen einer allergischen Reaktion in Form von Tropfen oder Tabletten ein. Es dient dazu, die allergische Reaktion selbst zurückzudrängen.
  • Auch Glukokortikoide können schon bei leichten Beschwerden zum Einsatz kommen. Sie wirken relativ langsam und sind dazu gedacht, später auftretende allergische Reaktionen zu verhindern.
  • Für den Fall, dass Asthma-Symptome wie Atemnot auftreten, befindet sich im Notfallset ein Inhalations-Spray mit einem Beta-2-Sympathomimetikum, das die Bronchien erweitert und das Atmen erleichtert.

Anaphylaktischer Schock: Tipps für Eltern

Als Mutter oder Vater können Sie Ihr Kind dabei unterstützen, ein Experte für seine Krankheit zu werden und sich selbst vor den Allergenen zu schützen[20, 21].

  • Erklären Sie Ihrem Kind genau, worauf es beim Essen achten muss – warum es keine Pausenbrote tauschen und nicht das Essen der anderen Kinder probieren darf.
  • Beschreiben Sie Ihrem Kind die Warnzeichen einer Anaphylaxie: Wenn die Hände, Füße oder Zunge jucken oder kribbeln, sollen sie sofort Erwachsenen Bescheid sagen.
  • Klären Sie Schule / Kindergarten / Kita und Lehrer und Erzieher über die Allergie, den anaphylaktischen Schock und die Notfallmaßnahmen auf.
  • Gibt es in der Einrichtung eine Kantine, informieren Sie das Catering / die Küche.
  • Informieren Sie auch andere Eltern und bitten Sie sie, bei Veranstaltungen wie Kindergeburtstagen wenn möglich Süßigkeiten zu ersetzen, zum Beispiel durch kleine Geschenke.
  • Wenn vom Arzt verordnet: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sein Notfallset und seinen Anaphylaxie-Notfallplan immer bei sich trägt. Für Kita-Kinder muss die Einrichtung das Notfallset aufbewahren.
  • Schulen Sie Lehrer, Erzieher und Betreuer im Umgang mit dem Notfallset – Ärzte sowie der Deutsche Allergie- und Asthmabund vergeben zu diesem Zweck Trainingsgeräte, die keine Nadeln haben.
  • Geben Sie Schule / Kindergarten / Kita eine schriftliche Ermächtigung, die den Aufsichtspersonen erlaubt, im Notfall den Adrenalin-Pen einzusetzen.

Nussallergie - Therapie

Im Moment gibt es noch keine wirksame Methode, um eine Allergie gegen Erdnüsse oder Baumnüsse zu heilen. Die Therapie besteht in erster Linie aus Vermeidung, sprich: Halten Sie sich von den Allergieauslösern fern! Gegen leichtere Symptome wie Hautrötungen und Gaumenjucken können Sie Tabletten oder Tropfen mit Anthihistaminika einnehmen. Diese Medikamente sind in Apotheken in der Regel rezeptfrei verkäuflich.

Wie erkenne ich, ob ein Produkt Nüsse enthält?

Mittlerweile sind Lebensmittelhersteller verpflichtet, die 14 häufigsten Allergieauslöser fett gedruckt in der Zutatenliste zu markieren. Dazu gehören auch Erdnüsse und Schalenfrüchte. Anbieter loser Waren, etwa Bäckereien und Restaurants, müssen ebenfalls Auskunft über Allergene in ihren Produkten geben. Die Angabe „Kann Spuren enthalten“ ist freiwillig. Wie genau die Hersteller dabei sind, bleibt ihnen selbst überlassen. So finden Sie meistens allgemeinere Hinweise auf „Schalenfrüchte“ oder „Nüsse“. Präzisere Angaben wie „Kann Spuren von Haselnüssen enthalten“ sind eher selten[22].

Wussten Sie schon? Erdnüssen vollständig aus dem Weg zu gehen, fällt vielen Menschen schwer. Studien zufolge nehmen 75 Prozent der Erdnussallergiker im Laufe von zehn Jahren mindestens einmal aus Versehen Erdnüsse zu sich[23].

Kann eine Immuntherapie bald meine Nussallergie heilen?

Bei vielen Allergien bietet eine Immuntherapie die Chance auf Heilung. Diese Therapieform wird auch Hyposensibilisierung genannt. Ärzte verabreichen dabei das Allergen meist in regelmäßigen Abständen per Spritze oder in Tropfenform unter die Zunge. Die Behandlung findet über Jahre hinweg statt, mit stetig steigender Dosis. Greift die Therapie, gewöhnt sich der Körper allmählich an das Allergen, bis allergische Reaktionen sich deutlich verringern.

Neues aus der Wissenschaft: Heilung durch orale Immuntherapie mit Probiotika?

Als Erdnuss-Allergiker können Sie nun auf eine Heilung in der Zukunft hoffen. Wissenschaftler arbeiten derzeit an oralen Immuntherapien, bei denen Patienten Erdnuss-Allergene über den Mund einnehmen. In einer Studie verabreichten Forscher Kindern mit Erdnussallergie Erdnussproteine zusammen mit Probiotika, also Milchsäurebakterien. Probiotika regen das Immunsystem an und sollen so den Effekt der Immuntherapie verstärken. Die Ergebnisse sind vielversprechend: 67 Prozent der Kinder konnten nach der Therapie und auch vier Jahre später wieder Erdnüsse essen, keines der Kinder erlitt in der Zeit einen anaphylaktischen Schock. Die Studie war allerdings klein, nur 24 Kinder nahmen daran teil. Nun wollen die Wissenschaftler ihre Methode in größeren Studien testen[24, 25].

Wussten Sie schon? Eier- und Kuhmilchallergien treten vor allem bei kleinen Kindern auf und verschwinden schon im Schulalter wieder. Eine Erdnussallergie allerdings wächst sich nur bei rund 20 Prozent der Betroffenen bis zum Erwachsenenalter aus[26].

Nussallergie bleibt meist fürs Leben

Nussallergie testen

Ärzte gehen Allergien zum Beispiel mithilfe eines Bluttests auf den Grund. Ein Labor untersucht Ihr Blut dabei auf bestimmte Antikörper, sogenannte Immunglobine der Gruppe E (IgE). Der Test findet heraus, ob Sie auf ein Allergen sensibilisiert sind, also ob IgE-Antikörper gegen das Allergen in Ihrem Blut häufig vorkommen. Eine andere Möglichkeit, eine Sensibilisierung festzustellen, ist ein Prick-Test. Dabei gibt Ihnen ein Arzt ein flüssiges Extrakt des Allergens oder das Allergen selbst auf die angeritzte Haut und prüft, ob Quaddeln und Rötungen entstehen[27].

Der cerascreen© Nussallergie-Test

Nussallergie TestSie können auch zuhause einen cerascreen© Nussallergie-Test durchführen. Unser Labor misst dabei, ob Sie gegen Erdnüsse oder Haselnüsse sensibilisiert sind. Sie erhalten einen ausführlichen Ergebnisbericht mit Tipps zum alltäglichen Umgang mit Ihrer Nussallergie. Sind Sie nicht sicher, ob Nüsse für Ihre Beschwerden verantwortlich sind, kann der cerascreen© Lebensmittel-Reaktionstest sinnvoll sein, der auf 57 gängige Allergene in Nahrungsmitteln testet.

Was passiert bei einem Provokationstest?

Eine Sensibilisierung bedeutet noch nicht, dass Sie unter einer Allergie leiden. Bei manchen Menschen führt eine erhöhte Zahl von Antikörpern nicht zu Beschwerden. Sicherheit kann ein Provokationstest geben. Ärzte verabreichen Ihnen oder Ihrem Kind dabei eine Dosis des Allergens und beobachten, ob es zu einer Reaktion kommt. Da auch gefährliche allergische Reaktionen auftreten können, muss diese Art von Test unbedingt unter ärztlicher Aufsicht stattfinden[27].

Zusammenfassung

  • Lebensmittelallergien betreffen weniger als fünf Prozent der Bevölkerung, können aber schwere allergische Reaktionen auslösen.
  • Allergien auf Erdnüsse und andere Nüsse treten oft im Kleinkindalter auf und bleiben in rund 80 Prozent der Fälle auch im Erwachsenenalter bestehen.
  • Es kann zu Kreuzallergien zwischen Nüssen kommen – viele Allergiker reagieren aber nur auf eine ganz bestimmte Nusssorte.
  • Erdnüsse sind im botanischen Sinne Hülsenfrüchte und können Kreuzreaktionen auf Linsen, Bohnen und Soja verursachen.
  • Leichtere allergische Reaktionen auf Nüsse äußern sich durch Hautreizungen, Kribbeln und Jucken an Mund und Gaumen, Niesen und Engegefühl im Hals, Erbrechen und Durchfall.
  • Bei Kindern und Jugendlichen verursachen Erdnüsse die meisten allergischen Schocks. Haselnüsse und Walnüsse gehören ebenfalls zu den Top-10-Auslösern.
  • Ein Bluttest durch den Arzt, ein Prick-Test oder ein Lebensmittel-Reaktionstest verraten Ihnen, ob Ihr Körper gegenüber bestimmten Nusssorten sensibilisiert ist.
  • Die gängige Therapie bei Nussallergien ist es, die Allergie-Auslöser zu vermeiden und gegen leichtere Beschwerden Antihistaminika einzunehmen.
  • Forscher arbeiten an einer oralen Immuntherapie, die Erdnuss-Allergien in Zukunft womöglich heilen kann.

Quellenangaben

  1. Worm, M., et al: Auslöser und Therapie der Anaphylaxie. Dtsch. Ärztebl. 111(21), 367–375 (2014). doi:10.3238/arztebl.2014.0367
  2. Sicherer, S.H., Muñoz-Furlong, A., Godbold, J.H., Sampson, H.A.: US prevalence of self-reported peanut, tree nut, and sesame allergy: 11-year follow-up. J. Allergy Clin. Immunol. 125, 1322–1326 (2010). doi:10.1016/j.jaci.2010.03.029
  3. Sicherer, S.H., Furlong, T.J., Muñoz-Furlong, A., Burks, A.W., Sampson, H.A.: A voluntary registry for peanut and tree nut allergy: characteristics of the first 5149 registrants. J. Allergy Clin. Immunol. 108, 128–132 (2001). doi:10.1067/mai.2001.115755
  4. Heppt, W.J., Bachert, C.: Praktische Allergologie. Georg Thieme Verlag (2010)
  5. Couch, C., Franxman, T., Greenhawt, M.: Characteristics of tree nut challenges in tree nut allergic and tree nut sensitized individuals. Ann. Allergy Asthma Immunol. Off. Publ. Am. Coll. Allergy Asthma Immunol. 118, 591-596.e3 (2017). doi:10.1016/j.anai.2017.02.010
  6. Mutschler, U.: Nussallergie ist nicht gleich Nussallergie. Pädiatrie. 29, 10–10 (2017). doi:10.1007/s15014-017-1080-0
  7. Constien, A., Reese, I.: Lebensmittelallergien - Grundlagen, Diagnose, Therapie. Ernähr. Umsch. 146–153
  8. Bergmann, K.-C., Heinrich, J., Niemann, H.: Aktueller Stand zur Verbreitung von Allergien in Deutschland. Allergo J. 25, 22–26 (2016). doi:10.1007/s15007-016-1015-z
  9. Du Toit, G., Sayre, P.H., Roberts, G., Sever, M.L., Lawson, K., Bahnson, H.T., Brough, H.A., Santos, A.F., Harris, K.M., Radulovic, S., Basting, M., Turcanu, V., Plaut, M., Lack, G.: Effect of Avoidance on Peanut Allergy after Early Peanut Consumption. N. Engl. J. Med. 374, 1435–1443 (2016). doi:10.1056/NEJMoa1514209
  10. Togias, A., Cooper, S.F., Acebal, M.L., Assa’ad, A., Baker, J.R., Beck, L.A., Block, J., Chan, E.S., Eichenfield, L.F., Fleischer, D.M., III, G.J.F., Furuta, G.T., Greenhawt, M.J., Gupta, R.S., Habich, M., Jones, S.M., Keaton, K., Muraro, A., Plaut, M., Rosenwasser, L.J., Rotrosen, D., Sampson, H.A., Schneider, L.C., Sicherer, S.H., Sidbury, R., Spergel, J., Stukus, D.R., Venter, C., Boyce, J.A.: Addendum Guidelines for the Prevention of Peanut Allergy in the United States. 36
  11. Sicherer, S.H., Burks, A.W., Sampson, H.A.: Clinical features of acute allergic reactions to peanut and tree nuts in children. Pediatrics. 102, e6 (1998)
  12. Helmholz Zentrum München: Anaphylaktischer Schock – was tun im Notfall?, https://www.allergieinformationsdienst.de/aktuelles/schwerpunktthemen/anaphylaktischer-schock.html
  13. Steinmüller, R.: Lebensmittelallergie Teil 3: Erdnuss- und Baumnussallergien. Ernähr. Umsch. 3/2016, 9–12 (2016)
  14. Umasunthar, T., Leonardi‐Bee, J., Hodes, M., Turner, P.J., Gore, C., Habibi, P., Warner, J.O., Boyle, R.J.: Incidence of fatal food anaphylaxis in people with food allergy: a systematic review and meta-analysis. Clin. Exp. Allergy. 43, 1333–1341 (2013). doi:10.1111/cea.12211
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  16. Worm, M., Scherer, K., Köhli-Wiesner, A., Rueff, F., Mahler, V., Lange, L., Treudler, R., Rietschel, E., Szepfalusi, Z., Lang, R., Rabe, U., Reese, T., Schwerk, N., Beyer, K., Hompes, S.: Nahrungsmittelanaphylaxie und Kofaktoren - Daten aus dem Anaphylaxie-Register. Allergologie. 34, 329–337 (2011)
  17. Dhami, S., Panesar, S.S., Roberts, G., Muraro, A., Worm, M., Bilò, M.B., Cardona, V., Dubois, A.E.J., DunnGalvin, A., Eigenmann, P., Fernandez-Rivas, M., Halken, S., Lack, G., Niggemann, B., Rueff, F., Santos, A.F., Vlieg-Boerstra, B., Zolkipli, Z.Q., Sheikh, A., EAACI Food Allergy and Anaphylaxis Guidelines Group: Management of anaphylaxis: a systematic review. Allergy. 69, 168–175 (2014). doi:10.1111/all.12318
  18. Ring, J., et al: Guideline for acute therapy and management of anaphylaxis: S2 Guideline. Allergo J. Int. 23, 96–112 (2014). doi:10.1007/s40629-014-0009-1
  19. Deutscher Allergie- und Asthmabund: Anaphylaxie: DAAB, https://www.daab.de/allergien/anaphylaxie/
  20. ECARF: Anaphylaxie in der Schule: Ein Ratgeber für Pädagogen und Eltern, http://www.ecarf.org/wp-content/uploads/ecarf-anaphylaxie-in-der-schule.pdf
  21. DAAB: Anaphylaxie in Kita und Schule, http://www.allergie-anaphylaxie.de/anaphylaxie-in-kita-und-schule/
  22. Lebensmittel-Kennzeichnung: DAAB, https://www.daab.de/ernaehrung/lebensmittel-kennzeichnung/
  23. Skolnick, H.S., Conover-Walker, M.K., Koerner, C.B., Sampson, H.A., Burks, W., Wood, R.A.: The natural history of peanut allergy. J. Allergy Clin. Immunol. 107, 367–374 (2001). doi:10.1067/mai.2001.112129
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  26. Peters, R., Gurrin, L., Dharmage, S., Koplin, J., Allen, K.: The Natural History of IgE-Mediated Food Allergy: Can Skin Prick Tests and Serum-Specific IgE Predict the Resolution of Food Allergy? Int. J. Environ. Res. Public. Health. 10, 5039–5061 (2013). doi:10.3390/ijerph10105039
  27. Worm, M., et al: Guidelines on the management of IgE-mediated food allergies: S2k-Guidelines. Allergo J. Int. 24, 256–293 (2015). doi:10.1007/s40629-015-0074-0