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Adipositas: Fettleibigkeit erkennen und behandeln


Die Anzahl adipöser Menschen steigt auf der ganzen Welt. Bewegungsmangel sowie fettes und industriell verarbeitetes Essen fördern die Entstehung von Adipositas, also Fettleibigkeit. Doch auch die Anzahl von Therapieangeboten nimmt zu und gibt adipösen Personen die Möglichkeit, effektiv abzunehmen.

Die Zahl der Menschen, die an Adipositas erkrankt sind, steigt weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldete bereits 2016, dass weltweit etwa 1,9 Milliarden Menschen übergewichtig oder sogar adipös, also fettleibig, sind. Nur knapp 40 Jahre zuvor lag diese Zahl bei weniger als der Hälfte.

Adipositas ist für die Betroffenen häufig mit starken Belastungen im Alltag und einer eingeschränkten Lebensqualität verbunden [1,2].

Doch wie genau unterscheidet sich eigentlich Adipositas von Übergewicht und wie entsteht eine Adipositas? Ist Adipositas eine Krankheit? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und welche Voraussetzungen gelten für einen chirurgischen Eingriff zur Gewichtsreduktion? All diese und noch viele weitere Fragen beantworten wir Ihnen in diesem Artikel.

Was ist Adipositas?

Eine Adipositas (auch Fettleibigkeit genannt) haben Sie, wenn Ihr Körperfettanteil stark erhöht ist. Über den Body Mass Index (BMI) können Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas voneinander abgegrenzt werden. Der BMI wird auf Basis des Körpergewichts und der Körpergrösse berechnet (kg/m²). Wiegen Sie zum Beispiel 100 Kilogramm und sind 1,80 Meter grosse gilt folgende Rechnung:

100/1,80² = 30,9 kg/m²

Erreichen Sie bei der Berechnung des BMI einen Wert von über 25, gelten Sie als übergewichtig, bei einem Wert über 30 liegt eine Adipositas des ersten Grades vor. Im obigen Rechenbeispiel hätte die betreffende Person somit eine Adipositas ersten Grades.

Taillenumfang: Grundsätzlich sollte man neben dem BMI auch immer den Taillenumfang mit einzubeziehen. Der BMI kann zum Beispiel auch wegen einer sehr grossen Muskelmasse erhöht sein – bei einem Bobdybuilder kann es so zum Beispiel durchaus zu einem BMI von 30 oder mehr kommen, ohne dass eine Adipositas vorliegt [3].

Ist Adipositas eine Krankheit?

Im Jahr 2000 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Adipositas als eine Krankheit definiert, der Umgang mit der Fettleibigkeit ist in verschiedenen Ländern aber sehr unterschiedlich.

In der Schweiz werden die Kosten für die Behandlung einer Adipositas, zum Beispiel für einen chirurgischer Eingriff, nur unter bestimmten Voraussetzungen übernommen. Hierzulande müssen unter anderem ein BMI von über 35 kg/m2 und eine 24-monatigen Basisbehandlung vorliegen, damit die Krankenkassen die Kosten übernehmen [4,5,6].

Wie entsteht Adipositas?

Übergewicht und Adipositas entstehen durch mehrere Faktoren:

  • eine familiäre Vorbelastung, also eine genetische Veranlagung zum Übergewicht
  • ein Lebensstil, der durch Bewegungsmangel und Fehlernährung geprägt ist
  • depressive Erkrankungen
  • erheblicher Stress im Alltag
  • die Einnahme von Medikamenten, wie zum Beispiel Antidiabetika oder einige Kontrazeptiva

Fachleute sprechen von einer multifaktoriell bedingten Erkrankung. Das bedeutet, dass viele verschiedene Ursachen und Faktoren zur Entstehung der Krankheit beitragen [7,8].

Begleiterkrankungen der Adipositas

Adipositas kann mit vielen Begleit- und Folgeerkrankungen einhergehen. Ob Begleiterkrankungen auftreten, hängt auch vom Fettverteilungsmuster einer adipösen Person ab – also davon, an welchen Körperstellen das Fett sitzt.

Sammelt sich ein Grossteil des Gewichts um den Bauch herum an, spricht man vom viszeralen Fett. Dann ist das Risiko von Begleiterkrankungen deutlich höher als bei einer gleichmässigen Verteilung des Fetts am gesamten Körper. Erkrankungen wie Störungen des Stoffwechsels und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei stark erhöhtem viszeralen Fett sehr viel wahrscheinlicher.

Generell können bei Adipositas unter anderem die folgenden Begleiterkrankungen auftreten [7], [9]:

  • Diabetes Typ 2
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Chronische Entzündungen
  • Hormonelle Störungen, zum Beispiel erniedrigter Testosteron-Spiegel (bei Männern) oder Polyzystisches Ovar Syndrom (PCOS) bei Frauen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates

Eine erhöhte viszerale Fettverteilung können Ärzt*innen über den Taillenumfang messen und erkennen.

Gut zu wissen: Ihren Taillenumfang können Sie auch selbst mit einem Massband messen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie unbekleidet sind, Ihren Bauch entspannen und das Massband oberhalb des Bauchnabel ansetzen.

Wie kann Adipositas behandelt werden?

Ziel der Behandlung von Adipositas ist eine langfristige Gewichtsabnahme. Dafür werden in der Regel verschiedene Ansätze miteinander kombiniert.

Darunter fallen Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Manchmal können auch eine begleitende medikamentöse Therapie oder ein anschliessender chirurgischer Eingriff sinnvoll sein. Ärzt*innen stimmen das individuell auf die Betroffenen ab und entscheiden gemeinsam mit ihnen über die Therapie.

Ernährungstherapie bei Adipositas

Eine Ernährungstherapie zur Behandlung von Adipositas sollte immer eine erfahrene Ernährungsfachkraft durchführen.

Die wichtigste und wirksamste Massnahme in der Ernährungstherapie ist die Begrenzung der Kalorienaufnahme. Dabei müssen Vorlieben, Lebensstil sowie Lebensumstände der betroffenen Person stark mit einbezogen werden, um eine langfristige Ernährungsumstellung ohne Nährstoffmängel zu erreichen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sowie die Deutsche Adipositas Gesellschaft empfehlen eine Ernährungsform mit vorwiegend energiearmen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, fettarmen Milchprodukten sowie fettarmem Fleisch und Fisch. In bestimmen Fällen kann auch eine zeitlich begrenzte Formula-Diät angewandt werde. Dabei ersetzen Sie einzelne Mahlzeiten durch Formularprodukte ersetzt und senken so die Kalorienzufuhr stark [3,7,9,10].

Gut zu wissen: Wenn Sie sich eine Ernährungsfachkraft aussuchen, achten Sie auf Qualifizierungen, wie zum Beispiel einen staatlich anerkannten Abschluss als Diätassistent*in oder als Ökotropholog*in. Eine von den Krankenkassen anerkannte Zertifizierung ist ein zusätzliches Zeichen dafür, dass die Person qualifiziert ist. Zudem sollte die Fachkraft weder Hersteller, Marken noch konkrete Produkte bewerben [11].

Verhaltenstherapie bei Adipositas

Ein weiterer wichtiger Teil der Basisbehandlung von Adipositas ist die Verhaltenstherapie. Ziel ist es, das Verhalten, insbesondere das Essverhalten, aber auch das Bewegungsverhalten langfristig gesund und aktiv zu gestalten.

Auch die Verhaltenstherapie sollte immer auf Ihre individuelle Situation abgestimmt sein. Folgende Aspekte sollten in der Therapie berücksichtigt werden:

  • die Vorgeschichte und dabei unter anderem frühere Abnehmversuche, Gewichtsentwicklung und Stigmatisierungserfahrungen
  • soziale Bedingungen wie Partner, Familie und Freunde
  • die persönliche Freizeitgestaltung und der Arbeitsplatz

Eine wichtige Frage, die Sie in der Verhaltenstherapie klären können, ist, welche Rolle und Funktion das Essen für Sie persönlich hat. Viele Betroffene essen nämlich nicht aus Hunger, sondern weil sie sich beispielsweise entspannen, belohnen oder Frust abbauen wollen.

Ein besonderes Augenmerk in der Verhaltenstherapie liegt also darauf, welches Verhalten zur Adipositas geführt hat und was es aufrechterhält. Dieses Verhalten analysieren Sie gemeinsam mit dem*der Therapeut*in und erarbeiten Strategien, um es langfristig zu verändern [3].

Bewegungstherapie bei Adipositas

Wenn Sie als adipöser Mensch abnehmen und Ihr Gewicht langfristig halten möchten, sollten Sie sich ausreichend bewegen. Eine Bewegungstherapie unterstützt Sie dabei einen gesunden Einstieg in ein aktiveres Leben zu finden.

Die Bewegungstherapie basiert vorwiegend auf Ausdauer- und Kraftausdauersport. Durch mehr Bewegung im Alltag erhöhen Sie Ihren Energieverbrauch und erleichtern Ihrem Körper das Abnehmen. Ausserdem wirkt sich regelmässige Bewegung positiv auf viele der möglichen Begleiterkrankungen von Adipositas aus.

Studien zeigen übrigens auch, dass die Lebensqualität über eine andauernde Bewegungstherapie gesteigert werden kann [3].

Chirurgische Therapie bei Adipositas

Ein chirurgischer Eingriff bei Adipositas (bariatrischer Eingriff) ist eine sehr effektive Methode zur Gewichtsabnahme, birgt aber auch Nachteile und Risiken. Deshalb gibt es konkrete Voraussetzungen.

Adipöse Erwachsene sollten in der Regel eine mindestens 24-monatige Basisbehandlung aus Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungstherapie durchgeführt haben. Führt diese Behandlung nicht zu ausreichenden Erfolgen, ist eine Operation für folgende Personen nach umfassender Aufklärung möglich [12]:

  • Erwachsene Personen mit einem BMI von über 35 kg/m2
  • Personen unter 18 Jahren mit einem BMI von über 35 kg/m2 und mit mindestens einer schweren Begleiterkrankung, wie Schlaf-Apnoe-Syndrom oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung
  • Personen unter 18 Jahren mit einem BMI von über 40 kg/m2 und mit mindestens einer Begleiterkrankung

    Gut zu wissen: Für adipöse Personen, die an einer unbehandelten Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht), psychischen Störungen oder einer Drogenabhängigkeit leiden, ist ein chirurgischer Eingriff zur Gewichtsreduktion ohne vorherige Behandlung ausgeschlossen.

    Bariatrische Eingriffe

    Ein Verfahren ist zum Beispiel die Schlauchmagenbildung, die auch Magenverkleinerung genannt wird. Dabei wird der Magen so sehr verkleinert, dass nur noch ein Schlauch übrigbleibt und die operierte Person sehr wenig Nahrung aufnehmen kann.

    Mit der Biliopankreatische Diversion verursachen Chirurg*innen gezielt eine gestörte Nahrungsaufnahme, indem sie den Weg der Nahrung im Verdauungstrakt umleitet. Dadurch werden grosse Teile der Nährstoffe unverdaut wieder ausgeschieden.

    Alle Verfahren führen zu einer Gewichtsreduktion und verringern das Risiko von Begleiterkrankungen der Adipositas. Welches Verfahren für Sie geeignet wäre, hängt von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel dem Alter, Gewicht, Begleiterkrankungen und Essverhalten ab.

    Was passiert nach der Operation?

    Nach einem bariatrischen Eingriff müssen Sie eine spezielle postoperative Ernährung einhalten und in der Regel für den Rest Ihres Lebens Nährstoffpräparate einnehmen. Ausserdem sollten Sie sich weiter an die Basisbehandlung aus Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie halten – sonst besteht die Gefahr, dass das Gewicht trotz des Eingriffs wieder ansteigt [12].

    Alles auf einen Blick

    Was ist Adipositas?

    Adipositas bezeichnet eine stark erhöhte Masse an Körperfett und kann über den Body Mass Index (BMI) eingeordnet werden. Ab einem BMI von 30 spricht man von Adipositas des ersten Grades.

    Für die Entstehung von Adipositas sind mehrere Faktoren verantwortlich. Unter anderem spielen eine familiäre Vorbelastung, ein Lebensstil mit wenig Bewegung und ungesunder Ernährung sowie depressive Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente eine Rolle.

    Was ist die Basisbehandlung bei Adipositas?

    Die Basisbehandlung bei Adipositas kombiniert Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie.

    Ziel in allen drei Therapieformen ist eine langfristige Gewichtsabnahme. Die Betroffenen sollen ihr neues Gewicht anschliessend auch gut halten können.

    Wann wird ein chirurgischer Eingriff empfohlen?

    Ein chirurgischer Eingriff bei Adipositas ist eine sehr effektive Methode zur Gewichtsabnahme. Da ein solcher Eingriff aber auch einige Nachteile mit sich bringen kann, müssen Betroffene ganz konkrete Voraussetzungen mitbringen, zum Beispiel einen bestimmten BMI und eine vorherige Basisbehandlung.

    Quellen

    [1]          Universitätsmedizin Leipzig, „Entwicklungen | IFB AdipositasErkrankungen“. https://www.ifb-adipositas.de/adipositas/entwicklungen (zugegriffen Apr. 13, 2021).

    [2]          World Health Organisation (WHO), „Obesity and overweight“. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight (zugegriffen Apr. 20, 2021).

    [3]          H. Hauner u. a., „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas”“, Bd. 08, Nr. 04, S. 179–221, 2014, doi: 10.1055/s-0037-1618857.

    [4]          Deutsche Adipositas-Gesellschaft, „Definition von Adipositas“. https://adipositas-gesellschaft.de/ueber-adipositas/definition-von-adipositas/ (zugegriffen Feb. 23, 2021).

    [5]          H. Held, „Adipositas-Netzwerk I Kostenübernahme Magenverkleinerung“, Sep. 12, 2020. https://www.adipositas-netzwerk.ch/de/patienten/kostenuebernahme.html (zugegriffen Apr. 13, 2021).

    [6]          B. Zrost, „Adipositas: Magen-OP als letzter Ausweg“, Feb. 05, 2016. https://noe.orf.at/v2/news/stories/2755997/ (zugegriffen Apr. 13, 2021).

    [7]          A. Bechthold, „Aktualisierte Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas“.

    [8]          H. Toplak, „Ätiologie und Pathogenese der viszeralen Adipositas“, J. Für Ernährungsmedizin, 2001.

    [9]          Deutsche Adipositas-Gesellschaft, SRH - Hochschule für Gesundheit, „Patientenleitlinie zur Diagnose und Behandlung der Adipositas“. 2019.

    [10]       H. Hauner, „Therapie der Adipositas“, Gynäkol., Bd. 35, Nr. 3, S. 279–290, März 2002, doi: 10.1007/s00129-002-1181-9.

    [11]       Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e.V. (VDD), „Checklisten für Verbraucher“. https://www.vdd.de/diaetassistenten/checklisten-fuer-verbraucher/ (zugegriffen Apr. 13, 2021).

    [12]       Swiss Society for the Study of morbid Obesity and metabolic disorders (SMOB), „Richtlinien zur operativen Behandlung von Übergewicht“. 2018.

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