Magen-Darm-Infektion 


Wie Sie sich vor Magen-Darm-Infekten schützen können

Statistisch gesehen erkrankt jeder Mensch einmal in seinem Leben an einer Magen-Darm-Infektion. Freuen Sie sich also nicht zu früh,  wenn Sie bis jetzt verschont geblieben sind. Magen-Darm-Viren sind heimtückisch und hochansteckend. Doch mit den richtigen Maßnahmen können Sie sich vor einer Magen-Darm-Grippe schützen!

„Magen-Darm geht wieder rum.“ Gefühlt jede Klinik oder Schule verkünden mindestens einmal im Jahr, dass sich ein Magen-Darm-Virus eingeschlichen hat. Klagen über Brechdurchfälle inklusive. Sind Sie an einer Norovirus- oder Rotavirus-Infektion erkrankt, sollten Sie schleunigst Ihren Arbeitgeber und das Gesundheitsamt kontaktieren, da die Erreger sich rasch verbreiten können. Mit bestimmten Hygiene-Regeln lässt sich die Zahl der Erkrankten dann kleinhalten. Vor allem Kinder und Senioren sollten sich schützen, da sie besonders anfällig gegenüber den Viren sind.

Erfahren Sie in diesem Artikel, wie eine Magen-Darm-Grippe zustande kommt, wie Sie sich im Falle einer Infektion verhalten sollten und wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können. Wir erklären Ihnen alles Wissenswerte über den Noro- und den Rotavirus. Außerdem: Kann man sich gegen eine Magen-Darm-Infektion impfen?

Magen-Darm-Grippe

Mehr als 65 Millionen Menschen in Deutschland erkranken jährlich an einer Magen-Darm-Grippe. Das sind rund 80 Prozent der Bevölkerung. Bei einer Magen-Darm-Grippe, auch Gastroenteritis genannt, greifen aggressive Viren oder Bakterien die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes an[1, 2].

Was sind die Ursachen einer Magen-Darm-Grippe?

In den meisten Fällen sind Noroviren und Rotaviren an einer Magen-Darm-Infektion schuld. Wenn sich Bakterien wie E. Coli, Campylobacter und Clostridien in unserem Körper niederlassen, können auch sie zur Magen-Darm-Grippe führen[1]. Kontaminierte Lebensmittel wie Meerestiere, die nicht durchgegart sind, oder verunreinigtes Wasser verursachen ebenfalls Magen-Darm-Infektionen[3].

Gut zu wissen: Was ist die Inkubationszeit? Die Inkubationszeit beschreibt den Zeitraum, der zwischen dem Moment der Infektion und dem Ausbruch, also den ersten Symptomen, liegt. Sie beläuft sich bei einer Magen-Darm-Grippe auf eine recht kurze Zeitspanne von zwölf Stunden. Manchmal treten die Beschwerden aber auch erst 72 Stunden nach der Infektion auf[1].

Welche Symptome treten bei einer Magen-Darm-Grippe auf?

Infizieren Sie sich mit Magen-Darm-Viren, können folgende Beschwerden schnell auftreten[1]:

  • Durchfall, in einigen Fällen blutig
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Leichtes Fieber
  • Kraftlosigkeit

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen in Schulen, Kindergarten, Altenheimen, Krankenhäusern und Mitarbeiter in der Lebensmittelindustrie haben ein erhöhtes Risiko, sich mit einer Magen-Darm-Grippe zu infizieren. Auch Säuglinge und Kinder tragen aufgrund ihres schwachen Immunsystems ein hohes Risiko. Nimmt man Immunsuppressiva ein, die das Immunsystems drosseln, können die Viren und Bakterien problemlos eine Infektion verursachen[1].

Noro- und Rotaviren – die Hauptverursacher

Das Robert-Koch-Institut verkündete, dass im Jahr 2014 mehr als 75.000 Noroviren- und 32.000 Rotaviren-Infektionen gemeldet wurden[1]. Beide Virenstämme gelten als die Erreger, die weltweit am häufigsten Magen-Darm-Infektionen bei Kindern verursachen[4]. Im Zeitraum von Oktober bis März treten die meisten Infektionen mit Noroviren auf, Rotaviren haben zwischen Februar und April Hochsaison[2, 5].

Auslöser von Lebensmittelinfektionen

Wie steckt man sich mit dem Norovirus und dem Rotavirus an?

Der Norovirus muss in die Atemwege des Menschen gelangen. Er verbreitet sich per Tröpfcheninfektion über die Luft oder haftet an Gegenständen wie Türgriffen (Schmierinfektion). Daher steigt das Risiko in Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern: Wenn eine Person infiziert ist, gelangt der Virus beim Erbrechen oder über den Stuhlgang in die Atemluft, Betroffene kommen mit Gegenständen und Möbeln in Berührung. Trinkwasser und Lebensmittel aus unhygienischen Verhältnissen - meistens sind Entwicklungsländer betroffen -  stellen eine weitere Gefahr dar[2, 5].

Zu den Lebensmitteln, die am häufigsten mit dem Norovirus belastet sind, zählen Salate, Beeren und Gemüse. Wenn belastetes Obst und Gemüse tiefgekühlt wird, stirbt das Virus nicht ab. Tauen die Lebensmittel auf, kann sich das Virus ungehindert verbreiten. Große Hitze allerdings kann dem Virus den Garaus machen. Bereiten Sie gefrorene Lebensmittel also am besten bei hohen Temperaturen zu[6].

Aktueller Wissensstand: Eine Untersuchung, die in der Zeitschrift Cell Host & Microbe im Jahr 2018 veröffentlich wurde, erklärt, dass Noro- und Rotaviren einen raffinierten Plan verfolgen, wenn sie in den Darm eindringen. Sie verstecken sich heimtückisch in den Membranzellen, wo das Immunsystem sie nicht finden kann. Die Viren schließen sich zusammen, bis sie eine gewisse Menge erreicht haben und schlagen dann zu[7].

Wie lange ist man bei einer Noroviren-Infektion ansteckend?
Der Großteil der Erreger gelangt über den Stuhlgang in der Regel nach zwei Tagen nach dem Ausbruch aus dem Körper. Die Ansteckungsgefahr kann aber auch bis zu 14 Tage andauern. Deswegen sollten Sie  in dieser Zeit strenge Hygiene-Regeln einhalten, um eine Ausbreitung zu verhindern[3]!

Wussten Sie schon? Der Norovirus ist extrem hartnäckig. Er kann bis zu drei Wochen an Türgriffen und auf Oberflächen überleben[4].

Wie lange ist man bei einer Rotaviren-Infektion ansteckend?

Wer an einer Rotaviren-Infektion erkrankt, ist bis zu acht Tage ansteckend. Am häufigsten erkranken Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren daran[5].

Kann man sich gegen Noro- und Rotaviren impfen lassen?

Gegen den Norovirus ist bislang keine Impfung möglich. Es gibt jedoch einen Impfstoff gegen den Rotavirus, der sich nur für Säuglinge eignet. Die Ständige Impfkommission empfiehlt Eltern, ihre Kinder gegen den Rotavirus zu impfen[5].

Schutzmaßnahmen bei Magen-Darm-Infektionen

Eine Magen-Darm-Infektion zehrt ordentlich an den Kräften des Körpers. In seltenen Fällen kann sie durch Dehydration oder Immunschwäche sogar lebensgefährlich werden. Nehmen Sie die Saison der hochansteckenden Noro- und Rotaviren also nicht auf die leichte Schulter. Treffen Sie Vorkehrungen, um eine Ausbreitung zu verhindern – vor allem, wenn Sie oder Menschen in Ihrem Umfeld erkrankt sind.

Hände richtig desinfizieren

Was muss ich bei einer Magen-Darm-Infektion beachten?

Das Robert-Koch-Institut hat Leitlinien erstellt, um das Infektionsrisiko bei ansteckenden Krankheiten zu verringern. Die Regeln ähneln größtenteils denen,  mit denen Sie sich auch vor Grippe und grippalem Effekt schützen können. Sie sollten diese Regeln beispielsweise berücksichtigen, wenn sich ein Familienmitglied, Sie selbst oder jemand anderes aus Ihrem Haushalt eine Magen-Darm-Grippe eingefangen hat (lesen Sie hier mehr über Erkältung, Grippe und Grippeschutz)[2, 8]:

  • Tragen Sie Mundschutz
  • Desinfizieren Sie Ihre Hände richtig (Mittel sollte mindestens 60 Prozent Alkohol enthalten)
  • Waschen Sie sich nach der Desinfektion nicht erneut die Hände
  • Desinfizieren Sie Kontaktflächen (Toilette, Waschbecken, Türgriffe)
  • Nutzen Sie, wenn möglich, getrennte Toiletten
  • Waschen Sie Kleidung bei 60 Grad mit desinfizierendem Waschmittel

Schneidebretter sollten nach der Verwendung mit kochendem Wasser abgespült werden, besonders wenn Fleisch oder Fisch darauf geschnitten wurden[2].

Wichtig: Gehen Sie nicht zur früh wieder zur Arbeit und schicken Sie Ihre Kinder nicht vorzeitig wieder in die Schule. Die Symptome sollten für mindestens zwei Tage abgeklungen sein. Um das Risiko, andere anzustecken, zu minimieren, sollten sie außerdem besonders auf ihre Handhygiene achten[2].

Magen-Darm-Infektionen vorbeugen

Therapie einer Magen-Darm-Grippe

Meistens klingt eine Magen-Darm-Grippe von selbst ab, da die Erreger über das Erbrochene oder den Stuhlgang ausgeschieden werden. Wenn Durchfälle länger als zwei Tage bestehen, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen. Kinder, Schwangere und Senioren sollten beim Verdacht einer Magen-Darm-Grippe unverzüglich ärztlich behandelt werden. Magen-Darm-Infektionen können zu Elektrolytstörungen und im schlimmsten Fall zu Blutvergiftungen und Blutarmut führen[1].

Wie wird eine Magen-Darm-Grippe behandelt?

Durch das ständige Erbrechen und den Durchfall verliert der Körper Unmengen von Wasser. Um diesen Flüssigkeitsverlust auszugleichen, sollte man sich aus einer Apotheke orale Rehydratationslösungen beschaffen. Diese Flüssigkeit versorgt den Körper mit wichtigen Elektrolyten und füllt den Wasserhaushalt auf. Kokosnusswasser erweist sich auch als hilfreich. Auf jeden Fall sollten Sie koffeinhaltige Getränke, Milch, Alkohol, Zigaretten sowie fettige, zuckerreiche und scharfe Gerichte meiden[1].

Tipp: Eine Magen-Darm-Infektion kann die Darmflora schwächen. Daher sollten Sie nach der Krankheit probiotische Lebensmittel zu sich nehmen, um sie wiederaufzubauen. Eine Anleitung für die Darmgesundheit haben wir hier für Sie zusammengetragen!

Magen-Darm-Infektionen: Auf einen Blick

Wie entsteht eine Magen-Darm-Grippe?

Bakterien und Viren, insbesondere Noro- und Rotaviren, gelangen über die Luft oder die Hände in den Mund und von dort aus in den Darm. Dort attackieren sie die Darmschleimhaut, woraufhin es zu Beschwerden wie Brechdurchfällen und Bauchschmerzen kommt.

Wer ist besonders von einer Magen-Darm-Grippe betroffen?

Theoretisch kann es jeden treffen. Am häufigsten leiden aber Kinder und Senioren daran. Das Infektionsrisiko in Einrichtungen wie Altenheimen oder Krankenhäusern ist besonders hoch.

Wie lange dauert ein Magen-Darm-Infekt?

Je nach Art des Virus kann eine Magen-Darm-Grippe bis zu 14 Tage dauern. Im Normalfall dauert eine Norovirus-Infektion zwei Tage und eine Rotavirus-Infektion acht Tage.

Worauf muss ich bei einer Magen-Darm-Grippe achten?

Die richtige Hygiene ist das A und O, um weitere Infektionen zu vermeiden und sich nicht anzustecken. Hände und Oberflächen sollten regelmäßig desinfiziert werden. Zudem sollte man Betroffenen nicht zu nahekommen. Erst wenn die Symptome für zwei Tage abgeklungen sind, sollten Siewieder zur Schule oder Arbeit gehen. Legen Sie danach aber weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Handhygiene.

Wie behandelt man eine Magen-Darm-Grippe?

Eine Magen-Darm-Grippe verschwindet meist ohne ärztliche Therapie. Sollten Durchfälle länger als zwei Tage anhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Kinder, Schwangere und Senioren sollten bei einem Magen-Darm-Infekt immer ärztlich behandelt werden. Es empfiehlt sich, orale Rehydratationslösungen zu trinken und darmschonende Lebensmittel zu essen.

Quellenangaben

  1. Pschyrembel Online | Infektiöse Gastroenteritis, https://www.pschyrembel.de/Infekti%C3%B6se%20Gastroenteritis/K08GK
  2. RKI - RKI-Ratgeber - Norovirus-Gastroenteritis, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Noroviren.html
  3. Magen-Darm-Infektionen, https://www.infektionsschutz.de/infektionskrankheiten/krankheitsbilder/magen-darm-infektionen/
  4. Pschyrembel Online | Norovirus, https://www.pschyrembel.de/Norovirus/K0QLU/doc/
  5. Pschyrembel Online | Rotaviren-Infektion, https://www.pschyrembel.de/Rotaviren-Infektion/B0FJR/doc/
  6. BfR: Fragen und Antworten zu Noroviren, https://mobil.bfr.bund.de/de/faq/fragen_und_antworten_zu_noroviren-8749.html
  7. Santiana, M., Ghosh, S., Ho, B.A., Rajasekaran, V., Du, W.-L., Mutsafi, Y., Jésus-Diaz, D.A.D., Sosnovtsev, S.V., Levenson, E.A., Parra, G.I., Takvorian, P.M., Cali, A., Bleck, C., Vlasova, A.N., Saif, L.J., Patton, J.T., Lopalco, P., Corcelli, A., Green, K.Y., Altan-Bonnet, N.: Vesicle-Cloaked Virus Clusters Are Optimal Units for Inter-organismal Viral Transmission. Cell Host & Microbe. 24, 208-220.e8 (2018). doi:10.1016/j.chom.2018.07.006
  8. The right way to wash your hands, https://www.mayoclinic.org/healthy-lifestyle/adult-health/in-depth/hand-washing/art-20046253